Gesunde Omas

Heute Mittag kam mir eine Besucherin auf dem Flur entgegen, das Alter der Frau war schlecht zu schätzen, sie hatte eine Strickmütze auf dem Kopf und einen Schal um das Gesicht.
Irgendwie lief sie ohne Plan über die Station. Die meisten Bewohner machten zu der Zeit einen Mittagsschlaf, daher war jetzt auch nicht viel los.
Gut, erstmal ging sie den Flur hoch und runter. Sie ging an mir vorbei, erwiderte meinen Gruß nicht. Blieb stehen,schaute und ging weiter.

„Kann ich helfen?“ frage ich nach zwei Minuten.

„Neeeein. Ich will zu meiner Großmutter.“ sagt sie.

„Ah Ok. Wissen Sie wo Ihre Oma wohnt?“ frage ich.

„Ja,klar. Frau XY! Die wohnt hier!“ Sie zeigt auf das Zimmer und geht hinein.

Nach fünf Minuten kommt sie in das Schwesternzimmer:

„Wurde meine Oma zu Weihnachten eigentlich von meiner Tante oder so abgeholt?“ fragt sie.

„Nein, das weiß ich sicher. Über die Feiertage war sie ziemlich erkältet. Da ging gar nichts.“ sage ich.

„Oh, so. Vor zwei Jahren lief Oma ja immer über die Station, dies macht sie nun wohl nicht mehr.“ sagt sie.

„Nein, dafür hat sie keine Kraft mehr. Einige Schritte mit dem Rollator schafft sie, für mehr Mobilität ist die Krankehit zu weit fortgeschritten.“ sage ich.

„Ja. Genau. Sie liegt da jetzt so ruhig und schläft. Bekommt sie etwas zur Beruhigung? So kenne ich sie gar nicht.“ fragt sie.

Der Klassiker. Oma wird im Altenheim vollgepumpt damit der Pfleger eine ruhige Kugel schieben kann….

„Nein, momentan schlafen fast alle. Die Bewohner kennen das von früher. Mittagsschlaf“ sage ich.

„Ich habe Oma ganz anders in Erinnerung!“ sagt sie.

„Wie lange waren sie nicht mehr hier?“ frage ich.

„Zwei Jahre!“ sagt sie.

Genau. Vor zwei Jahren war Oma aber übelst durcheinander,kann mich noch gut an die Zeit erinnern. Es gab hier viele Einträge von der Dame.

„Gut, in der Zeit hat sich bei Ihrer Großmutter viel geändert.“ sage ich.

„Ich wollte ja eher kommen, meine Mutter wollte da aber nichts von wissen. Ich soll Oma noch fit und agil in Erinnerung behalten.“ sagt sie,

Nein, fit war sie zu der Zeit kein Stück.

„Ah, wie alt sind Sie, wenn ich fragen darf.“ sage ich.

„24.“ antwortet sie.

„Vor zwei Jahren war Ihre Oma aber auch nicht mehr in der Lage um alleine in den eigenen vier Wänden zu leben.“ antworte ich.

„Ja, ich weiß. Aber Mama hat das nicht gerne. Ich soll mich lieber um mein Studium kümmern.“ sagt sie.

Ey, geht es noch? Man kann doch mit 24 Jahren entscheiden ob man die eigene Oma besuchen will oder nicht. Da ist es doch völlig egal ob die Mutter dies gut findet oder nicht. Und dann noch aus solchen dummen Gründen. Die aktuelle Lebenssituation der Oma gehört doch auch zum Leben dazu. Der rosa Ponyhof hat schon lange geschlossen.

„Eigentlich können Sie ja machen was Sie wollen.“ sage ich.

„Ja, mal sehen ob ich noch einmal reinschaue.“ sagt sie und verschwindet.

Manchmal trifft man auch merkwürdige Menschen.

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8 Antworten zu “Gesunde Omas

  1. Der Herrgott hat schon einen großen Tiergarten… :mrgreen:

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  2. Da würde ich mir mehr Gedanken um die Enkelin machen, als um die Oma… Die Oma ist sicher gut aufgehoben… Aber bitte, was studiert die Enkelin???? Sie war seit 2 jahren nicht bei Oma???? Wie bitte kann das sein???? Daran kann nicht nur die Mutter schuld sein…neeee

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  3. Bestimmt Pflegemanagement;o)

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  4. „merkwürdig“ ist schon eine wohlwollende Umschreibung 😉

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  5. meine Mutter verbietet und Kindern auch unsere Großeltern zu besuchen…
    Sie sieht es einfach nicht gerne wenn wir viel Zeit mit Oma und Opa verbringen….

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