XXL

Ein Bewohner redet immer ziemlich derbe über alles. Meist aber nur mit dem männlichem Pflegepersonal, bei meinen Kolleginnen hält er sich dann doch zurück. Beispiele:

„Der Herr Max Mustermann braucht mal richtig was aufs Maul, der ist doch total bescheuert!“

„Die Weiber hier sind doch alle vertrocknet.“

„Deine Kollegin, das lange Gestell, die mag ich nicht. Bei der würde ich keinen hochbekommen. Da macht mein Schwanz nicht mit.“

„Deine Chefin hat aber auch einen fetten Bratarsch, übel. Am schlimmsten ist die Schwabbelwampe. Würdest Du die Alte flach legen? Auch nicht,oder?“

„Hier arbeiten könnte ich nicht. Die verfaulten Ziegen duschen müssen die hier wohnen, schrecklich.“

Usw. Irgendwann hört man da gar nicht mehr hin, er beleidigt auch keinen Menschen direkt.

Nun war Herr F. auf seinem Zimmer und blätterte in einem Katalog. Neben Kochtöpfen, Dekofiguren, Werkzeug, Geschirr, Schrauben und Unterwäsche gab es auch eine Seite mit Erotikartikeln. Es waren einige Softpornos, Vibratoren, Liebespillen und Salben zu sehen. Unter anderem konnte man eine XXL Penis Creme bestellen.

Ich war zufällig im Zimmer und er schaute sich (natürlich) die Seite mit den Erotikartikeln an:

„Hier Hubert, kannst dir ja mal die XXL Peniscreme auf die Stirn schmieren, mit viel Glück wächst dir da noch ein Pimmel.“ sage ich.

„Ach, bin mit meinem zufrieden, der hat schon genug Weiber beglückt. Auch wenn die meisten Alten nur die Kreditkarte für Kleidung haben wollen. Man kennt doch die Weibsbilder.“ antwortet er.

„So ist es.“ sage ich. Mehr fällt einem dann meist eh nicht ein.

Zufällig kommt meine Kollegin in das Zimmer, sieht uns und schaut sich den Katalog an. Sie kennt den Bewohner, weiß auch wie er reagieren kann wenn er nur genug „Futter“ bekommt um loszulegen:

„Oh, was ist das für ein netter Katalog? Aha, so, oha.“ sagt sie.

Das war sein Kommando:

„Hier, Peniscreme.“ sagt er.

„Ah. Wollen Sie das haben?“ fragt sie.

Falsche Frage,ganz falsche Frage:

„Nix, ich habe 17 Zoll in der Hose, da brauche ich solche Peniscreme nicht zum bumsen. Die Weiber haben sich noch nie beschwert. Rein das Teil in die saftige F*tze, so haben die Weiber doch gerne. Man muss auch mit seinem Schwanz umgehen können.“ antwortet er.

„Du bist aber auch ein Laberkopf…“ sage ich.

„Nix, ist so.“ sagt er.

Meine Kollegin ist in der Zeit wieder gegangen, auf dem Flur spricht sie mich an:

„Boah, wie er redet, kann man ja nicht ab.“ sagt sie.

„Dann gib ihm kein Futter, musstest dja auch nachfragen bei der Creme. Hättest Du nichts gesagt dann wäre er auch nett geblieben.“ sage ich.

„Ich verstehe ihn nicht.“ sagt sie.

Natürlich quatscht er gerne Bullshit. Linke Ohr rein, rechte Ohr wieder raus. Fertig. Er beleidigt nie andere Bewohner. Von daher ist das Verhalten für mich akzeptabel.

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27 Antworten zu “XXL

  1. Also, mich als Frau würde mich solch ein sexistisches Geschwätz auf Dauer schon nerven.

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  2. Naja, nerven (als Frau) schon, warscheinlich auch massivst. Aber ich denke in dem Alter soll man ihn einfach machen lassen. Ihm das abzugewöhnen wäre sicher nur ein Kampf gegen Windmühlen.

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  3. Hunde, die bellen, beißen nicht?

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  4. Mein Kommentar wär nur gewesen: „Ein alter Veteran redet gern vom letzten Krieg.“ 😉

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  5. Auch wenn das ein alter Sack ist, sollte man ihm schon sagen, was sich gehört und was nicht. „Du bist ja auch ein Laberkopf ist da zu schwach“, finde ich. Auch wenn Sie ihn auf den Katalog ansprichst, ist das noch lange kein Freifahrtschein für sexistisches und frauenfeindliches Gelaber. Auch in dem Alter kann man noch was dazulernen. Solange der Typ nicht dement ist, muss sich keine Pflegekraft so was anhören, finde ich. Eventuell kann man ihm ja ankündigen, dass er nur noch von Männern betreut wird, wenn er sich nicht zusammenreißt. Aber eventuell steht er drauf…

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  6. Wie sagte mein Schwager immer zu mir als ich noch ein PubertärerJungspund war:
    Je grösser die Klappe um so kleiner das Geschütz 🙂

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  7. Da sag noch mal einer „Generation Porno“ zur heutigen Jugend. Die Vorgestrige Jugend ist auch nicht besser. 😉

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  8. So einen Klienten hatten wir auch – … und besser wurde es als er eine „Freundin“ hatte, die einmal die Woche gegen Bares seine Anwesenheit ertrug. Danach prahlte er bis zum nächsten Besuch von seinem „heißen Gestell“, klärte uns aber nicht mehr über Vibratoren, Fisting & seinem großen Prügel auf 😉

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  9. Das lernt man in der Altenpflege, gewisse Themen bei gewissen Bewohnern nicht anzuschneiden um kein Futter zu liefern. Trotzdem würde mich seine Ausdrucksweise auch nerven.

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  10. Und für solche flachen Ansichten sollte man auch mal eine bessere Antwort parat haben.

    “Ach, bin mit meinem zufrieden, der hat schon genug Weiber beglückt. Auch wenn die meisten Alten nur die Kreditkarte für Kleidung haben wollen. Man kennt doch die Weibsbilder.” antwortet er.

    “So ist es.” sage ich. Mehr fällt einem dann meist eh nicht ein.

    Mein Vorschlag: Wenn die Frauen nur deine Kreditkarte wollen, musst du im Bett vielleicht einen Zahn zulegen? Wie man in den Wald hineinbumst, so schallt es heraus…

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  11. Solche Leute sind eigentlich prima, da kann man mal testen, was man so auf der Pfanne hat.

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  12. Reflektion gehört zum Job. Es geht um professionelle Arbeit, Reaktionen reflektieren und verbessern, zum Wohle des Kunden/BW.

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