Arbeitskleidung

Einmal im Monat haben wir einen Bürotag um die uns zugewiesenen Bewohnermappen zu evaluieren, Dienstkleidung ist dann nicht nötig da man mit der Pflege nichts am Hut hat,man kommt in Zivilkleidung.
Um kurz nach 08:00 Uhr musste ich durch den Speisesaal, mein Kaffeepot war leer und das geht an so einem Tag gar nicht. Die Bewohner waren am frühstücken, ich grüßte auf den Weg in die Küche:

„Moin! Schmeckt es?“

„Ja…. doch… ah, Sven, gar nicht erkannt mit deiner…. tzja… Arbeitskleidung..!“ sagte Frau W. und schaute mich von oben bis unten an.

„Arbeitskleidung, ja, so kann man das auch nennen.“ sagte ich.

„Dann mal los und den Schweinestall ausmisten!“ antwortete sie.

„Schweinestall ausmisten?“ fragte ich.

„Mit der Kleidung kannste das bestimmt ganz gut. Geh mal nicht so auf die Straße, bloß nicht!“ riet sie mir.

Jeans,T-Shirt,Sweatjacke und braune Sneakers trägt man also heute im Stall.

Nächstes Mal komme ich nur bekleidet in Boxershorts, Gummistiefeln, Hawaiihemd mit Krawatte und einem Zylinder auf dem Kopf.

Mal sehen wo sie mich dann arbeiten lässt.

Diese Woche habe ich wohl jeden Tag einen anderen Job wenn man die Einträge hier liest.

Antarktis

In dem Zimmer von Frau D. war es gestern Nachmittag ziemlich warm. Nein, eigentlich war eine Bullenhitze in der Bude, Jalousien durften nicht runter, über der Bettdecke war noch eine Wolldecke.
Ich musste aber die Decken wegnehmen da sie Hilfe brauchte:

„Mensch, hast du noch kein Holz gehackt?“ fragte sie.

„Ich? Holz hacken? Ne, warum sollte ich?“ fragte ich nach.

„Na, hier ist es auf einmal so kalt… oder wie wird das Haus hier sonst geheizt?“ antwortete sie.

„Aaaah so. Ne, das machen zwei ältere Damen die hier angestellt sind. Die hacken von 5-19 Uhr Holz und befeuern den Ofen.“ erklärte ich ihr.

„Dann sollen die mal schneller machen, hier ist es kalt!“ meckerte sie.

Irgendwie musste ich die ganze Zeit an die Brathähnchen denken die sich auf diesen mobilen Fressbuden stundenlang in der Hitze drehen.
Viel Temperaturunterschied zu dem Bewohnerzimmer gab es garantiert nicht.
Trotzdem habe ich nochmal Holz in den Ofen geworfen.
Nur für diese Bewohnerin.

Schnelle Schritte

Ich telefonierte mit dem Sohn einer Bewohnerin, sie ist gesundheitlich etwas angeschlagen, geistig voll auf der Höhe. Nach einigen Minuten kam das Thema Patientenverfügung:

„Du, Mama hat zwar keine Patientenverfügung, trotzdem wollen wir keine Maßnahmen, die ihr Leben verlängern falls mal was sein sollte.“ sagte er.

„Jau, wie soll das funktionieren falls wir wirklich mal den Doc anrufen müssen, das musste mir erklären.“ sagte ich.

„Na, man kann ja einen Schritt langsamer gehen, verstehst mich schon.“ war die Antwort.

Vielleicht könnte man das mal vorher mit Mama klären. Falls sie überhaupt etwas von den genialen Ideen weiß die der Sohn ausbrütet.

Jobbörse

„Fährt der Bus hier noch weg?“ fragte ein Bewohner mich.

„Ah, dauert noch etwas!“ erklärte ich ihm.

„So langsam musste aber mal wieder arbeiten, Junge. Verstehe mich nicht falsch…. aber ein Busfahrer wie du muss seinen Bus bewegen.“ ermahnte er mich.

Aus einer anderen Ecke rief eine Bewohnerin dem Bewohner zu:

„Jetzt lassen Sie den Koch doch weiter arbeiten, ich bekomme so langsam Appetit! Der muss wieder in die Küche.“

Ist mein Arbeitsplatz für heute auch geklärt!

Bodenpolitur

Als ich in das Zimmer von Herrn T. schaute hatte der Boden im Badezimmer sich verändert, er war nicht mehr weiß, eher braun.
Herr T. stand im Zimmer, hinter ihm eine braune Spur.
Es war keine Schokolade, nur zur Info.
Er trug nur Schuhe und ein Schlafanzugoberteil.
Kennt noch jemand „Desperado“ mit Antonio Banderas? Da gingen sie durch eine Geheimtür auf der Toilette, so ungefähr sah der Raum auch aus.

Er sieht mich, ich fragte mal nach:

„Du, was ist hier passiert?“

„Ja, ja, jetzt was anderes: Das Spiel der Bayern gestern, war das nicht spannend? Ich hätte denen den Sieg gegönnt!“ strahlte er mich an.

„Scheisse, die Bayern gehen mir schon mit frisch geputzten Badezimmern schon auf den Sack. Jetzt im Moment noch viel mehr!“

„Ja.“ sagte ich.

„Können wir ja jetzt drüber reden!“ sagte er.

„Machen wir nach dem Frühstück!“

Alles braun, verschmiert und was noch alles, so richtige Fußballstimmung kam bei mir jetzt gerade nicht wirklich auf….

Ehe

Eine Bewohnerin und ein Bewohner unterhielten sich:

„Mein Mann ist seit über 10 Jahren unter der Erde!“ sagte sie.

„Da haste aber auch selbst dran schuld, oller Feldwebel!“ antwortete er.

Die üblichen Nettigkeiten noch vor dem Frühstück ausgetauscht….

Jobbörse

Heute wurden mir wieder viele Berufe untergejubelt, mein erlernter Job war nicht dabei:

„Du warst doch mal katholischer Priester, nicht wahr?“ fragte Herr P.

„Ne. Wieso? Mache ich so einen Eindruck?“

Die Schultern von Herrn P. zuckten, eine Antwort bekam ich nicht.

Kurze Zeit später treffe ich Herrn E.:

„Wie lange biste schon beim Militär?“ fragte er.

„Den Laden habe ich von innen überhaupt nicht gesehen.“ sagte ich.

Beim Essen anreichen erklärte ein anderer Bewohner einer Mitbewohnerin ich sei englischer Soldat.

„Ah, der Schlachter!“ war dann noch die Begrüßung eines anderen Bewohners.

Mal sehen für welche Umschulung ich mich entscheiden werde….