Nachtruhe

“Na Maria, gut geschlafen heute?” fragte ich die Bewohnerin.

“Eine selten blöde Frage! Habe doch die Nacht geschlafen, keine Ahnung ob gut oder schlecht, wie soll ich das wissen?” maulte sie.

Stimmt auch wieder.

Sonne und Regen

Einige Bewohner nehmen die Speisen unten im großen Speisesaal ein, wir bringen die Tabletten dann nach unten. Auf dem Weg nach unten treffe ich immer die gleichen drei Bewohner, sie sitzen vor dem Eingang und unterhalten sich, schauen wer in das Heim kommt oder erzählen sich die neuesten Storys. Ein Mann, zwei Frauen. Geistig nicht mehr ganz so fit, könnte aber schlimmer. Kommen von einer anderen Station, viel habe ich mit denen nicht am Hut.

Dienstag, die drei Bewohner sitzen wie immer dort:

“Moin!” sagte ich.

“Hallo!”, “Tach!” und “Moin!” hörte ich.

“Ach, ist das schönes Wetter heute. Die Sonne scheint, besser als Regen, oder?” fragte ich.

“Oh ja, sehr schön!”, “Richtig!” und “Genau!” hörte ich.

“Sehr gut, ich wünsche dann noch einen tollen Abend, ich muss wieder arbeiten!” sagte ich.

“Ja, schönen Tag!”, “Wiedersehen!”, “Bis dann!” sagten die Bewohner.

Auf dem Weg nach oben hörte ich die Bewohner miteinander reden:

“Ach, der ist auch immer nett. Redet immer und fragt auch mal nach wie es einem geht. Den mag ich.”

Ok, mal schauen:

Mittwoch:

Die drei Bewohner sitzen wieder dort, ich komme vorbei:

“Maaan, Maaan, Maaan.!” schimpfe ich.

“Was denn?”, “Ey!”, “Hör auf zu schimpfen!” schnatterte es.

“Diese Sonne! Schrecklich! Kann das nicht mal regnen wenn draußen so viele Menschen unterwegs sind? Aber richtig viel Regen, sollen alle naß werden!” meckere ich.

“Ach, hör auf!”, “Gemein!” und “Dann geh Du nach draußen wenn es soweit ist!” hörte ich.

“Ich gehe jetzt. Ich wünsche mir noch einen guten Abend…… ach, Ihnen auch.Aber nur weil Mittwoch ist.” sagte ich.

Als ich auf dem Weg nach oben bin ging es los:

“Hä, was ist der immer frech, schlimm. Wo arbeitet der? Hier im Haus? Doch wohl nicht!” usw usw.

Gesprächsstoff bei den Bewohnern war eindeutig am Mittwoch mehr vorhanden. Mal sehen was ich heute mache.

Dienstfahrzeug

Laut Aussage einer Bewohnerin haben wir jetzt für das Personal ein neues Dienstfahrzeug. Läuft mit zwei Pferden, unsere neue Dienstkutsche:

“Da bist Du endlich, hat lange genug gedauert!” bekomme ich zu hören.

“Ich? Ja! Bin wieder da!” posaune ich.

“Immer sehe ich dich auf der Kutsche. Kümmere dich lieber um mich!” bellt sie mich an.

Ok, Feierabend. Der Hengst muss aus der Kutsche und sich um seine Stuten im Stall kümmern….

Hochbett

“Kannst Du mir das Bett ein wenig höher fahren? Irgendwie ist das niedriger als sonst.” sagte mir Frau J.

“Natürlich, kein Problem.”

Fernbedienung in die Hand und los gehts. Immer weiter. Der Knopf ist immer noch gedrückt. Und nochmal höher. Hüfthöhe ist schon überschritten.

“Mensch, nicht soooo hoch, da komme ich doch nie rein!” meckerte die Dame.

“Doooooch. Zwei Meter Abstand vom Bett nehmen, leicht ansetzen und dann kräftig mit den Beinen abdrücken um genau auf dem Kissen zu landen. Geht garantiert gut. Sooo, ich muss nun auch los, wünsche eine ruhige Nacht!”

“Hey, hey, so klappt das aber nicht.” sagte sie.

“Schon probiert? Nein? Also. Einfach probieren, irgendwann heute liegst Du bestimmt da im Bett.”

“Gleich probiere ich meinen Fuß irgendwohin zu treten, mal sehen ob das klappt.” bellte sie.

“Aha, den Fuß hoch, das geht, in das Bett hüpfen geht nicht.”

“Dir würde ich mal gerne die Ohren…. ach,egal. Eigentlich müsste ich dich so langsam ja schon kennen… am Ende machste das doch ordentlich!” antwortete sie.

Na siehste. Aber vorher die Welle machen…

Druckverteiler

Gerade als ich im Zimmer einer Bewohnerin war klingelte das Telefon in meiner Tasche, schnell habe ich mich gemeldet und gleichzeitig das Zimmer verlassen.
Als das Gespräch zu Ende war ging ich wieder in das Zimmer:

“Na, Herr Sven, war das einer von zu Hause? Mussten Sie Ihrer Liebsten wieder Druck machen?” fragte mich die Bewohnerin.

“Na, aber sicher! Die Frau braucht doch den ganzen Tag Druck! Die müssen einfach öfter in die Schranken verwiesen werden! Aufmüpfigkeit kommt mir nicht ins Haus! Oder sehe ich das falsch?” fragte ich.

Sie überlegte einige Zeit:

“Na, heute haben die Frauen auch ihren eigenen Kopf. Und eine eigene Meinung. Würde mein Mann das heute sehen wie es mit den Frauen zugeht, er würde freiwillig wieder in sein Grab springen!” antwortete sie.

Sie hatte einen klugen Mann geheiratet.

Dienst

“Na, liegst Du noch schön im Bett?” fragte ich eine Bewohnerin.

“Sicher. Und selbst? Wieder auf der Suche nach alten Frauen um diese zu ärgern?” fragte sie.

Oh ja. Wie immer. Wie soll ich sonst die Zeit bis zum Feierabend ertragen?

Money

Eine Ü90 Bewohnerin telefonierte mit ihrem Sohn als ich in das Zimmer kam:

“….Du brauchst mich gar nicht so nieder machen…. ach ja, beerdigt werde ich noch lange nicht, vielleicht ist ja für dich noch später etwas Geld über. Den Rest nimmt sich das Heim.”

Das Telefonat ist beendet,ich schaue sie an:

“Ja, dreimal habe ich meinen Sohn gefragt ob er mich pflegen will, er will nicht. Er will mir eine Demenz einreden. Jetzt geht es ans Geld und er wird nervös. Ich bleibe jetzt hier. Aus.”

Geld und Angehörige, schwierige Themen.

Die Frau ist mehr als fit im Kopf.