Toilette

„Hier, das ist meine Toilette!“ erklärte mir ein Bewohner.

„So, sieht gut aus!“

„Gehste auch hier auf diesen Pott?“ fragte er.

„Ne, keine Sorge.“

„Ach, du musst doch auch mal groß!“ meinte er.

„Jaha, ich gehe nach Möglichkeit zu Hause auf die Toilette oder nutze hier die Personaltoilette.“

„Und?“ fragte er.

„Was ‚und‘?“

„Wie sieht die Toilette da zu Hause aus?“ wollte er wissen.

„Sauber, schneeweiß und mit Anbindung zur Kanalisation!“

„Und wer geht da noch drauf?“ fragte er.

„Meine Freundin und der Besuch.“

„Und deine Tochter?“ hakte er nach.

„Ne, die nicht. Die ist 9 Monate jung.“

„Ach, die muss da auch drauf. Kann doch nicht in der Weltgeschichte das Geschäft erledigen.“ schimpfte er.

„Die fällt da doch rein, ist doch viel zu klein für so eine große Öffnung!“

„Na, du erzählst mir wieder einen Blödsinn hier. Typisch.“

So ging es immer weiter. Bei „Druck“ darf ich seine Toilette jetzt auch benutzen. Und meine Freundin hat auch eine Erlaubnis erhalten, unsere Tochter sowieso. Fühle mich geehrt.

Gesprächsstoff geht hier niemals aus.

Beamter

 

Einer unserer Bewohner war früher als Beamter am Schreibtisch tätig. Natürlich muss er sich da auch die bekannten Klassiker immer wieder anhören ( langsam, faul, usw). Meistens fängt er aber selbst damit an, kann sich sehr gut alleine auf die Schippe nehmen.

„Sven, mit dir muss ich ein ernstes Wort reden. Du kommst ja eh ins Fegefeuer mit deinen täglichen Beleidigungen gegen Beamte, das weißt du selbst. Aber die Beamten sind gar nicht so faul, im TV kam gerade ein Bericht: Eine Frau, jetzt 75 Jahre alt, hatte vor 40 Jahren einen Antrag bei der Stadt gestellt für eine Genehmigung. Früher hatte sie nie eine Antwort erhalten. Jetzt, nach 40 Jahren, klingelte es an der Tür und der Postbote hatte die Genehmigung von der Stadt dabei! Und jetzt sag mir nochmal die auf dem Amt arbeiten nicht! Es wird alles erledigt.“

„Nach 40 Jahren? Das ging relativ schnell. Bestimmt kam der Brief aus der Abteilung in der du tätig warst.“

„Ich meine auch, muss die ehemaligen Kollegen mal anrufen und mir das da nachfragen.“

„Heute? Freitag um 14h? Ob da noch jemand wach ist oder arbeitet?“

„Richtig. Stimmt. Werde das auf Montag verschieben. Ich habe hier eh noch zwei Rechnungen die ich überweisen muss. Ach, oder soll ich das so machen wie früher? Einfach auf den größten Stapel Akten legen? Dann räume ich die Akten nächsten Tag wieder um oder die Putzfrau nimmt es, wenn ich Glück habe, alles mit beim aufräumen.“

 

Wenn man den Bewohner kennt kommt das um Längen besser rüber, hier bleibt leider nur die anonymisierte schriftliche Form. (Wie bei so vielen Beiträgen die gut sein könnten, es aber keinen Sinn macht diese aufzuschreiben  da man als Leser die Person dahinter nicht persönlich kennt und es daher nicht zum bloggen geeignet ist.)

 

 

 

Mahlzeit

Herr L. hatte gerade Mittagessen eingenommen und war auf dem Weg zu seinem Zimmer:

„Und? Hat es geschmeckt?“ fragte ich.

„Ja, ganz köstlich, war wirklich lecker!“ sagte er.

„Was gab es eigentlich zu essen?“ fragte ich.

„Einen ganzen Teller voll!“ antwortete er und ging weiter.

Es gab übrigens eine mediterrane Hackfleischpfanne mit bunten Nudeln und Salat.

Besucher

Ein älteres Ehepaar, um die 80 Jahre alt,  hatte bei uns eine Bewohnerin besucht.
Der Mann steht schon in der Tür, schaut auf seine Uhr, ihm dauert der Abschied seiner Frau von der Bewohnerin wohl zu lange.

„Kommst du, Mama?“ sagt er.

„Ja, Opa, bin auf dem Weg!“ sagt sie.

Keine Ahnung wer von beiden bei diesen netten Kosenamen die Hosen an hat. Tippe auf die „Mama“, die schaute schon so aus als ob „Opa“ öfter sein Fett abbekommt.

Monkey

Herr Q. schaut in seinem Zimmer eine Sendung über die Mondlandung. Scheint nicht interessant zu sein, er zappt sich so durch das ganze Programm, bleibt bei einer Reportage über Schimpansen hängen. Er schaut kurz die Sendung und fragt mich dann:

„Sven, wo ist eigentlich meine Frau? Fällt mir gerade so ein.“

Hätte er die Mondlandung weiter geschaut dann wäre die Frage nach seiner Frau wahrscheinlich nicht gekommen….

Arbeitskleidung

Einmal im Monat haben wir einen Bürotag um die uns zugewiesenen Bewohnermappen zu evaluieren, Dienstkleidung ist dann nicht nötig da man mit der Pflege nichts am Hut hat,man kommt in Zivilkleidung.
Um kurz nach 08:00 Uhr musste ich durch den Speisesaal, mein Kaffeepot war leer und das geht an so einem Tag gar nicht. Die Bewohner waren am frühstücken, ich grüßte auf den Weg in die Küche:

„Moin! Schmeckt es?“

„Ja…. doch… ah, Sven, gar nicht erkannt mit deiner…. tzja… Arbeitskleidung..!“ sagte Frau W. und schaute mich von oben bis unten an.

„Arbeitskleidung, ja, so kann man das auch nennen.“ sagte ich.

„Dann mal los und den Schweinestall ausmisten!“ antwortete sie.

„Schweinestall ausmisten?“ fragte ich.

„Mit der Kleidung kannste das bestimmt ganz gut. Geh mal nicht so auf die Straße, bloß nicht!“ riet sie mir.

Jeans,T-Shirt,Sweatjacke und braune Sneakers trägt man also heute im Stall.

Nächstes Mal komme ich nur bekleidet in Boxershorts, Gummistiefeln, Hawaiihemd mit Krawatte und einem Zylinder auf dem Kopf.

Mal sehen wo sie mich dann arbeiten lässt.

Diese Woche habe ich wohl jeden Tag einen anderen Job wenn man die Einträge hier liest.

Antarktis

In dem Zimmer von Frau D. war es gestern Nachmittag ziemlich warm. Nein, eigentlich war eine Bullenhitze in der Bude, Jalousien durften nicht runter, über der Bettdecke war noch eine Wolldecke.
Ich musste aber die Decken wegnehmen da sie Hilfe brauchte:

„Mensch, hast du noch kein Holz gehackt?“ fragte sie.

„Ich? Holz hacken? Ne, warum sollte ich?“ fragte ich nach.

„Na, hier ist es auf einmal so kalt… oder wie wird das Haus hier sonst geheizt?“ antwortete sie.

„Aaaah so. Ne, das machen zwei ältere Damen die hier angestellt sind. Die hacken von 5-19 Uhr Holz und befeuern den Ofen.“ erklärte ich ihr.

„Dann sollen die mal schneller machen, hier ist es kalt!“ meckerte sie.

Irgendwie musste ich die ganze Zeit an die Brathähnchen denken die sich auf diesen mobilen Fressbuden stundenlang in der Hitze drehen.
Viel Temperaturunterschied zu dem Bewohnerzimmer gab es garantiert nicht.
Trotzdem habe ich nochmal Holz in den Ofen geworfen.
Nur für diese Bewohnerin.