Hochbett

“Kannst Du mir das Bett ein wenig höher fahren? Irgendwie ist das niedriger als sonst.” sagte mir Frau J.

“Natürlich, kein Problem.”

Fernbedienung in die Hand und los gehts. Immer weiter. Der Knopf ist immer noch gedrückt. Und nochmal höher. Hüfthöhe ist schon überschritten.

“Mensch, nicht soooo hoch, da komme ich doch nie rein!” meckerte die Dame.

“Doooooch. Zwei Meter Abstand vom Bett nehmen, leicht ansetzen und dann kräftig mit den Beinen abdrücken um genau auf dem Kissen zu landen. Geht garantiert gut. Sooo, ich muss nun auch los, wünsche eine ruhige Nacht!”

“Hey, hey, so klappt das aber nicht.” sagte sie.

“Schon probiert? Nein? Also. Einfach probieren, irgendwann heute liegst Du bestimmt da im Bett.”

“Gleich probiere ich meinen Fuß irgendwohin zu treten, mal sehen ob das klappt.” bellte sie.

“Aha, den Fuß hoch, das geht, in das Bett hüpfen geht nicht.”

“Dir würde ich mal gerne die Ohren…. ach,egal. Eigentlich müsste ich dich so langsam ja schon kennen… am Ende machste das doch ordentlich!” antwortete sie.

Na siehste. Aber vorher die Welle machen…

Druckverteiler

Gerade als ich im Zimmer einer Bewohnerin war klingelte das Telefon in meiner Tasche, schnell habe ich mich gemeldet und gleichzeitig das Zimmer verlassen.
Als das Gespräch zu Ende war ging ich wieder in das Zimmer:

“Na, Herr Sven, war das einer von zu Hause? Mussten Sie Ihrer Liebsten wieder Druck machen?” fragte mich die Bewohnerin.

“Na, aber sicher! Die Frau braucht doch den ganzen Tag Druck! Die müssen einfach öfter in die Schranken verwiesen werden! Aufmüpfigkeit kommt mir nicht ins Haus! Oder sehe ich das falsch?” fragte ich.

Sie überlegte einige Zeit:

“Na, heute haben die Frauen auch ihren eigenen Kopf. Und eine eigene Meinung. Würde mein Mann das heute sehen wie es mit den Frauen zugeht, er würde freiwillig wieder in sein Grab springen!” antwortete sie.

Sie hatte einen klugen Mann geheiratet.

Dienst

“Na, liegst Du noch schön im Bett?” fragte ich eine Bewohnerin.

“Sicher. Und selbst? Wieder auf der Suche nach alten Frauen um diese zu ärgern?” fragte sie.

Oh ja. Wie immer. Wie soll ich sonst die Zeit bis zum Feierabend ertragen?

Money

Eine Ü90 Bewohnerin telefonierte mit ihrem Sohn als ich in das Zimmer kam:

“….Du brauchst mich gar nicht so nieder machen…. ach ja, beerdigt werde ich noch lange nicht, vielleicht ist ja für dich noch später etwas Geld über. Den Rest nimmt sich das Heim.”

Das Telefonat ist beendet,ich schaue sie an:

“Ja, dreimal habe ich meinen Sohn gefragt ob er mich pflegen will, er will nicht. Er will mir eine Demenz einreden. Jetzt geht es ans Geld und er wird nervös. Ich bleibe jetzt hier. Aus.”

Geld und Angehörige, schwierige Themen.

Die Frau ist mehr als fit im Kopf.

Geburtstag

Ein dementer Bewohner sitzt immer mit anderen Bewohnern im Gemeinschaftsraum, alle 20 Minuten rennt er zur Toilette, egal ob da was kommt oder nicht.
Nun hatte er Geburtstag und feierte diesen mit der Familie in einem anderen Raum. Trotzdem “muss” er ja alle 20 Minuten zur Toilette.
Danach ging er den gewohnten Gang zu den anderen Bewohnern im Gemeinschaftsraum.
Er musste dann immer wieder an den Geburtstag und den Besuch erinnert werden da er dies schon vergessen hatte.
Fazit: Alle 20 Minuten Freude pur über den Geburtstag und die Gäste.
Mit den ganzen Geschenken und den Blumen später am Abend kam er dann aber nicht klar da er nicht wusste woher das ganze Zeug kam.

Brosche

Eine relativ flachbrüstige Bewohnerin sieht mich auf dem Flur:

“Sven, mach mir mal die goldene Brosche an die Strickjacke!”

Der Verschluss der Brosche war schon ziemlich klein, es dauerte eine Weile bis ich es fest hatte.

“Ach, hättest auch durch den Pullover und die Strickjacke stechen können.” sagte sie.

“Ne, sonst treffe ich noch ein anderes Körperteil und dann brüllst Du hier laut.” sagte ich.

“Da gibt es nichts zu treffen, bin flach wie ein Brett! Oder nicht? Wah? Sag mal selbst!” meinte sie.

“Wenigstens lenkt die Brosche davon etwas ab…” antwortete ich.

“Hau bloß ab!” sagte sie laut lachend.

Und das vor dem Frühstück……

Getränk

“Ich möchte gerne was trinken!” sagte eine Bewohnerin.

“Und was möchtest Du gerne trinken?” fragte ich.

“Am liebsten eine Flüssigkeit!” meinte sie.

Ah so, dann kann ich das Schnitzel wieder aus dem Glas nehmen….