Archiv des Autors: altenheimblogger

Blogpause

Die nächsten 7 Wochen habe ich frei, 3 Wochen Urlaub und danach 4 Wochen Elternzeit. 

In der Zeit wird es hier dann kaum oder gar keine neuen Beiträge geben.

Die knallharte Erziehung der Tochter wird dann in der Zeit von mir durchgeführt.

:)

Quelle

Eine Bewohnerin, deren Tochter in der Lebensmittelbranche arbeitet, spricht mich an:

„Du, ich will noch mit meiner Tochter einkaufen gehen!“ sagte sie.

„Oh, neue Klamotten oder Schuhe?“

„Nein, Lebensmittel!“ sagte sie.

„Ach, die kann dir deine Tochter doch mitbringen, sie sitzt doch direkt an der Quelle!“ meinte ich.

„Aber Quelle gibt es doch gar nicht mehr!“ antwortete sie.

Stimmt, aber bis der Pfleger kapiert hat was die Bewohnerin meinte war Stille im Raum….

Wie finde ich ein gutes Altenheim?

Ja, genau, wie finde ich das eigentlich? 

Oma oder Opa in ein von außen ansprechendes Heim bringen?

Nah am eigenen Wohnort? Oder doch so weit weg wie nur möglich?

Bekannte fragen?

Recherche der vergebenen MDK Noten an die ausgewählten Heime?

Alles Blödsinn.

Ich würde so vorgehen:

Sich 30-60 Minuten Zeit nehmen, ein ausgewähltes Heim aufsuchen, mit Bewohnern reden wie es denen gefällt.

Mitarbeiter ansprechen und fragen.

Hören, wie Mitarbeiter mit den Bewohnern reden, wie die Stimmung im Heim ist.

Andere Angehörige, die dort zu Besuch sind, fragen.

So erhält man in kürzester Zeit viele wichtige Informationen.

Selbstverständlich muss dem möglichen neuen Bewohner das Haus auch gefallen.

Wenn ich Ratschläge per Twitter für gute Heime in der Stadt XY lese wird mir schon anders. Fünf Leser empfehlen das -Haus Fußschweiß-  und da kommt „Oma dann rein?“. Funktioniert so niemals.

Vielleicht helfen diese kleinen Tipps ja ein wenig bei der Heimauswahl.

Ich habe das so selbst zwar noch nicht erlebt, würde es als Mitarbeiter aber total gut finden solche Angehörigen im Haus zu treffen.

Toilette

„Hier, das ist meine Toilette!“ erklärte mir ein Bewohner.

„So, sieht gut aus!“

„Gehste auch hier auf diesen Pott?“ fragte er.

„Ne, keine Sorge.“

„Ach, du musst doch auch mal groß!“ meinte er.

„Jaha, ich gehe nach Möglichkeit zu Hause auf die Toilette oder nutze hier die Personaltoilette.“

„Und?“ fragte er.

„Was ‚und‘?“

„Wie sieht die Toilette da zu Hause aus?“ wollte er wissen.

„Sauber, schneeweiß und mit Anbindung zur Kanalisation!“

„Und wer geht da noch drauf?“ fragte er.

„Meine Freundin und der Besuch.“

„Und deine Tochter?“ hakte er nach.

„Ne, die nicht. Die ist 9 Monate jung.“

„Ach, die muss da auch drauf. Kann doch nicht in der Weltgeschichte das Geschäft erledigen.“ schimpfte er.

„Die fällt da doch rein, ist doch viel zu klein für so eine große Öffnung!“

„Na, du erzählst mir wieder einen Blödsinn hier. Typisch.“

So ging es immer weiter. Bei „Druck“ darf ich seine Toilette jetzt auch benutzen. Und meine Freundin hat auch eine Erlaubnis erhalten, unsere Tochter sowieso. Fühle mich geehrt.

Gesprächsstoff geht hier niemals aus.

Beamter

 

Einer unserer Bewohner war früher als Beamter am Schreibtisch tätig. Natürlich muss er sich da auch die bekannten Klassiker immer wieder anhören ( langsam, faul, usw). Meistens fängt er aber selbst damit an, kann sich sehr gut alleine auf die Schippe nehmen.

„Sven, mit dir muss ich ein ernstes Wort reden. Du kommst ja eh ins Fegefeuer mit deinen täglichen Beleidigungen gegen Beamte, das weißt du selbst. Aber die Beamten sind gar nicht so faul, im TV kam gerade ein Bericht: Eine Frau, jetzt 75 Jahre alt, hatte vor 40 Jahren einen Antrag bei der Stadt gestellt für eine Genehmigung. Früher hatte sie nie eine Antwort erhalten. Jetzt, nach 40 Jahren, klingelte es an der Tür und der Postbote hatte die Genehmigung von der Stadt dabei! Und jetzt sag mir nochmal die auf dem Amt arbeiten nicht! Es wird alles erledigt.“

„Nach 40 Jahren? Das ging relativ schnell. Bestimmt kam der Brief aus der Abteilung in der du tätig warst.“

„Ich meine auch, muss die ehemaligen Kollegen mal anrufen und mir das da nachfragen.“

„Heute? Freitag um 14h? Ob da noch jemand wach ist oder arbeitet?“

„Richtig. Stimmt. Werde das auf Montag verschieben. Ich habe hier eh noch zwei Rechnungen die ich überweisen muss. Ach, oder soll ich das so machen wie früher? Einfach auf den größten Stapel Akten legen? Dann räume ich die Akten nächsten Tag wieder um oder die Putzfrau nimmt es, wenn ich Glück habe, alles mit beim aufräumen.“

 

Wenn man den Bewohner kennt kommt das um Längen besser rüber, hier bleibt leider nur die anonymisierte schriftliche Form. (Wie bei so vielen Beiträgen die gut sein könnten, es aber keinen Sinn macht diese aufzuschreiben  da man als Leser die Person dahinter nicht persönlich kennt und es daher nicht zum bloggen geeignet ist.)

 

 

 

Mahlzeit

Herr L. hatte gerade Mittagessen eingenommen und war auf dem Weg zu seinem Zimmer:

„Und? Hat es geschmeckt?“ fragte ich.

„Ja, ganz köstlich, war wirklich lecker!“ sagte er.

„Was gab es eigentlich zu essen?“ fragte ich.

„Einen ganzen Teller voll!“ antwortete er und ging weiter.

Es gab übrigens eine mediterrane Hackfleischpfanne mit bunten Nudeln und Salat.

Besucher

Ein älteres Ehepaar, um die 80 Jahre alt,  hatte bei uns eine Bewohnerin besucht.
Der Mann steht schon in der Tür, schaut auf seine Uhr, ihm dauert der Abschied seiner Frau von der Bewohnerin wohl zu lange.

„Kommst du, Mama?“ sagt er.

„Ja, Opa, bin auf dem Weg!“ sagt sie.

Keine Ahnung wer von beiden bei diesen netten Kosenamen die Hosen an hat. Tippe auf die „Mama“, die schaute schon so aus als ob „Opa“ öfter sein Fett abbekommt.