Archiv des Autors: altenheimblogger

Frauen

“Dann kommt deine Tochter später bestimmt noch bei dir vorbei.” sagte ich der Bewohnerin.

“Wenn es nur so wäre, Mensch. Ich habe doch gar keine Tochter. Siehste, ich bin ganz alleine!”

“Keine Tochter?” fragte ich.

“Ne, nur einen Jungen und zwei Mädchen habe ich. Aber keine Tochter.”

Stuhlrutsche

Eigentlich hat unsere Personaltoilette einen Drehknauf, kurzfristig musste ein anderes Schloss mit Schlüssel eingebaut werden. Der Schlüssel ist beschriftet mit dem Wort “Fahrstuhl”.

Passt ja irgendwie auch….

Urinator

Ein Bewohner ist nach Sturz zu Hause und Krankenhausaufenthalt jetzt bei uns zur Kurzzeitpflege. Er wurde von seinen beiden Töchtern gebracht. Nachts benötigt der Bewohner Hilfestellung, im Pflegeverlegungsbogen steht:

-Schieber oder Toilettenstuhl-

Er ist zwar alt, reden kann man mit ihm aber noch ganz gut, auch wenn Kinder das nicht immer verstehen:

“Was haben Sie denn im Krankenhaus genutzt bzw was funktionierte bei Harndrang besser? Der Schieber oder doch der Toilettenstuhl?” fragte ich ihn.

Die Tochter stürmt dazwischen:

“Er nimmt den Rollator!”

Jo, dann den.

“Um zur Toilette oder zum Toilettenstuhl zu gehen? Benutzen Sie da den Rollator?” fragte ich ihn.

“Hallo? Er nutzt den Rollator! Den Rollator!” krähte die Tochter dazwischen.

“Ja, jetzt weiß ich immer noch nicht ob er auf den Schieber oder auf den Toilettenstuhl geht, er wird ja nicht auf den Rollator urinieren! Lassen Sie mich das mal abklären.” bellte ich zurück.

“Was ist hier eigentlich nu los?” fragte der Bewohner nun.

“Gehen Sie in der Nacht aus dem Bett zum Wasser lassen oder nutzen Sie den Schieber?” fragte ich nochmal.

Er überlegt. Und kommt auf keine Antwort. Bevor mir die Tochter jetzt wieder mit dem Rollator blöde von der Seite kommt fragte ich nochmal:

“Ist da in der Nacht eine kalte Pfanne am Popo?”

Er strahlt: “Ja, das Ding nehme ich immer.”

Die Töchter wirkten nicht sehr begeistert als ich ging, der Bewohner schon. Von daher alles in Ordnung.

Auf jeden Fall gibt es von dem Trio noch weitere Einträge, da bin ich mir sicher.

Eis

Bewohner, die bei dem heißen Wetter am Nachmittag einschlafen kennen alle Mitarbeiter, die in der Pflege arbeiten.

Neue Mode ist es jetzt mit einem Eis in der Hand zu schlafen. Das komplette Eis ist auf den Fingern, der Hose und dem Pullover verteilt. Und man kriegt noch das Wort zum Sonntag wenn man mit einem Lappen die Hände abwaschen will. “Das gute Eis einfach wegputzen!”

Vielleicht wird es morgen ja kühler….

Nachtruhe

“Na Maria, gut geschlafen heute?” fragte ich die Bewohnerin.

“Eine selten blöde Frage! Habe doch die Nacht geschlafen, keine Ahnung ob gut oder schlecht, wie soll ich das wissen?” maulte sie.

Stimmt auch wieder.

Sonne und Regen

Einige Bewohner nehmen die Speisen unten im großen Speisesaal ein, wir bringen die Tabletten dann nach unten. Auf dem Weg nach unten treffe ich immer die gleichen drei Bewohner, sie sitzen vor dem Eingang und unterhalten sich, schauen wer in das Heim kommt oder erzählen sich die neuesten Storys. Ein Mann, zwei Frauen. Geistig nicht mehr ganz so fit, könnte aber schlimmer. Kommen von einer anderen Station, viel habe ich mit denen nicht am Hut.

Dienstag, die drei Bewohner sitzen wie immer dort:

“Moin!” sagte ich.

“Hallo!”, “Tach!” und “Moin!” hörte ich.

“Ach, ist das schönes Wetter heute. Die Sonne scheint, besser als Regen, oder?” fragte ich.

“Oh ja, sehr schön!”, “Richtig!” und “Genau!” hörte ich.

“Sehr gut, ich wünsche dann noch einen tollen Abend, ich muss wieder arbeiten!” sagte ich.

“Ja, schönen Tag!”, “Wiedersehen!”, “Bis dann!” sagten die Bewohner.

Auf dem Weg nach oben hörte ich die Bewohner miteinander reden:

“Ach, der ist auch immer nett. Redet immer und fragt auch mal nach wie es einem geht. Den mag ich.”

Ok, mal schauen:

Mittwoch:

Die drei Bewohner sitzen wieder dort, ich komme vorbei:

“Maaan, Maaan, Maaan.!” schimpfe ich.

“Was denn?”, “Ey!”, “Hör auf zu schimpfen!” schnatterte es.

“Diese Sonne! Schrecklich! Kann das nicht mal regnen wenn draußen so viele Menschen unterwegs sind? Aber richtig viel Regen, sollen alle naß werden!” meckere ich.

“Ach, hör auf!”, “Gemein!” und “Dann geh Du nach draußen wenn es soweit ist!” hörte ich.

“Ich gehe jetzt. Ich wünsche mir noch einen guten Abend…… ach, Ihnen auch.Aber nur weil Mittwoch ist.” sagte ich.

Als ich auf dem Weg nach oben bin ging es los:

“Hä, was ist der immer frech, schlimm. Wo arbeitet der? Hier im Haus? Doch wohl nicht!” usw usw.

Gesprächsstoff bei den Bewohnern war eindeutig am Mittwoch mehr vorhanden. Mal sehen was ich heute mache.

Dienstfahrzeug

Laut Aussage einer Bewohnerin haben wir jetzt für das Personal ein neues Dienstfahrzeug. Läuft mit zwei Pferden, unsere neue Dienstkutsche:

“Da bist Du endlich, hat lange genug gedauert!” bekomme ich zu hören.

“Ich? Ja! Bin wieder da!” posaune ich.

“Immer sehe ich dich auf der Kutsche. Kümmere dich lieber um mich!” bellt sie mich an.

Ok, Feierabend. Der Hengst muss aus der Kutsche und sich um seine Stuten im Stall kümmern….