Sturz

Gestern ist ein Bewohner gestürzt, er war mit unserem Schüler auf dem Weg zum Zimmer und fiel dann rückwarts auf den Boden. Leider war da noch seine Brille, diese verursachte dann eine fiese blutende Stelle an der Schläfe.
Ein Angehöriger hat das auch mitbekommen, kam zum glotzen sofort dazu.
Was macht man nun? Erst einmal Ruhe bewahren, der Schüler war schon ziemlich fertig, hat sich dann aber ganz gut erholt. Er sollte dann die Blutung mit Kompressen stillen. Ich rief vorher noch den Notarzt an. Den neugierigen Angehörigen vergrault „Gaffer.Überall gern gesehen.“
Bleibt da noch die andere Kollegin. Die wird bei Blut,Stürzen usw ziemlich stressig.Im Moment war sie aber nicht zu sehen.
Also habe ich schnell die Zettel für den Doc geschrieben. Aber da hörte ich die Kollegin schon auf dem Flur bei dem Schüler und dem Bewohner.
Ne, Zettel liegen lassen, erstmal schauen was sie da wieder anstellt.
Sie wollte dem Bewohner ein neues Unterhemd und ein frisches Oberhemd anziehen da die andere Kleidung mit Blut beschmiert war.

„Ey, Du ziehst ihm jetzt nichts anderes an!“ sage ich ihr.

„Doch, der sieht aus wie abgeschlachtet!“

„Nein, das Zeug bleibt an, ich weiß nicht ob er sich sonst was getan hat.“ antworte ich.

„Ja, was soll ich denn machen?“ fragt sie.

„Du kümmerst dich um die anderen 26 Bewohner und lässt Markus da jetzt alleine mit Herrn B..“ sage ich.

Der Doc war dann auch schnell da, hat den Bewohner mit zur Notaufnahme genommen. (Abends gegen 20:15h war er dann wieder bei uns mit genähter Wunde).

Der Schüler war immer noch ziemlich von der Rolle.

„Du, lass uns erst mal eine rauchen.“ sage ich.

„Oh, gerne, das wäre super!“ sagt er.

Ich schnappe mir auf dem Weg zum Balkon noch schnell die Bewohnermappe um die Frau des Bewohners über den Sturz zu informieren. Da kommt mir schon meine momentane Lieblingskollegin mit ihrem Umziehwahn entgegen.

„Was wollt ihr jetzt?“

„Zigarette rauchen!“ sage ich.

„JETZT? Ihr könnt doch keine Zigarette jetzt rauchen!“

„Was spricht dagegen?“ frage ich.

„Ja, willst Du nicht die Sturzprotokolle ausfüllen und vielleicht seine Frau anrufen, die muss auch wissen was passiert ist!“

„Willst Du mir jetzt sagen wie ich meinen Job zu machen habe? Die Nummer der Frau steht hier in der Mappe die ich mitschleppe zum Balkon, auswendig kenne ich die Nummer nicht. Die ganzen Zettel kann ich jetzt nicht ausfüllen da hier noch 26 andere Bewohner Hilfe brauchen und ich das erst mache wenn wir damit fertig sind.“ sage ich.

„Aber nicht dass das vergessen wird.“

„Ich weiß wie ich arbeiten muss.“ sage ich.

Kurz vor dem Balkon, ich bin einen halben Meter entfernt, stecke ich mir die unangezündete Zigarette in den Mund, dies sieht meine Kollegin:

„Und Zigarette im Mund auf Station ist verboten!“ raunt sie mich an.

„Wo ist dein Problem? Wechseljahre? Stress mit den Kindern oder dem Kerl? Überfordert mit der Arbeit hier? Unbefriedigt? Du kannst mich mal kreuzweise.“

Auf dem Balkon traf ich dann den gaffenden Angehörigen:

„Du, Dirk, ich musste dich wegschicken, so etwas kann man dann überhaupt nicht gebrauchen.“

„Ey, kein Thema, ich war ja auch Neugierig wie ein Bekloppter. Aber was ist denn mit deiner Kollegin los? Hat die keine anderen Sorgen? Ich habe das gerade mitbekommen. Die war doch sonst nicht so.“ sagt er.

„Keine Ahnung, interessiert mich auch nicht.“

Fazit des Tages:
Bewohner ist wieder bei uns, ihm geht es ganz gut.
Der Schüler hat sich wieder beruhigt zum Ende der Schicht.
Die Kollegin war danach sehr mundfaul zu mir.

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13 Antworten zu “Sturz

  1. Es gibt halt Kollegen/innen und Kollegen/innen. Die einen stehen einem bei so was mit Rat und Tat zur Seite, und die anderen führen sich auf wie R..z am Ärmel. Und am allerliebsten sind mir jene Mitmenschen, die mir erklären wollen, wie ich meinen Job zu machen habe!!! 😕

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  2. Du hast manchmal aber auch Haare auf den Zähnen 😀 Nicht, dass sie’s nicht verdient hätte, so wie es sich anhört…

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  3. Oh ja diese Kollegen sind die besten… Die gehören auch zur Kategorie „übereifrig“, die dann im sterben liegende Bewohner trotzdem noch für ein Bad oder Dusche rauszerren anstatt sie in Frieden zu lassen und nur das nötigste machen und dafür zu Sorgen dass sie sich wohl fühlen und keine Schmerzen haben. Ich finde du hast genau richtig gehandelt 🙂

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  4. Oftmals ein Phänomen, wenn zu viele Frauen zusammen arbeiten. Sonst äußert sich das aber eher in Stutenbissigkeit, nicht im männliche Kollegen rumnerven. Du bist vermutlich ein Kollateralschaden.

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  5. Klassischer Fall von einer Bisgurn. http://regiowiki.pnp.de/index.php/Bisgurn Aber mal im Ernst, ich kenn das Verhalten auch, dass man bei Ereignissen, die einen von der Rolle bringen als Reaktion darauf in sinnlosen Aktivismus verfällt – eine rauchen ist da genau richtig.

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  6. Bin selbst Altenpflegerin und weiß aus eigener Erfahrung wie stressig solche Situationen nebst Angehörigen und anstrengenden Kollegen sind. Allerdings ist der Umgangston doch sehr sehr rauh gewesen und ehrlich gesagt wäre ich anstelle Deiner Kollegin auch wütend. „Unbefriedigt“ ist sehr wertend und im wahrsten Sinne des Wortes unter der Gürtellinie.

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    • Habe ich die Situation herbeigeführt? Nein. Mir ist das wirklich völlig egal ob die Kollegin wütend ist oder nicht, das prallt so an mir ab.
      Man kann sich, wenn man mit mir arbeitet, immer auf mich verlassen, das wissen die Kolleginnen auch. Wenn ich dann so eine gequirllte Scheisse von der Kollegin höre dann werde ich sauer. Passiert aber sehr selten.

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      • Ich habe Dich nicht angegriffen.Es geht nicht darum, wer die Situation herbeigeführt hat und wer „schuld“ hat. Ich finde es nur schade, dass die Situation offensichtlich so eskaliert ist und jeder von euch nun wütend ist. Wenn Du schreibst, dass es von Dir abprallt, dass Deine Kollegin sauer und sicher auch verletzt ist,dann frage ich mich warum das so ist? Liegt da schon länger was im Argen? Ich denke schon, dass Du sie emotional getroffen hast. Und ich bin erstaunt, dass Dir das egal ist? Du denkst, dass sie denkt, dass Du Deine Arbeit nicht richtig machst und dass sie ein Kontrollfreak ist. Aber ist das wirklich so? Letztlich wisst ihr beide nur wenig voneinander, worum es dem anderen eigentlich geht. Statt dessen packt ihr euch gegenseitig in die Schublade. Und genau das finde ich schade. Sicher spielen an eurem Konflikt noch andere Faktoren eine Rolle. Die Umstände,unter welchen wir Bewohner versorgen müssen, sind grausam – aber die dürfen nicht dazu führen, dass wir zu Zombies mutieren und uns gegenseitig zerfleischen.Der Job ist anstrengend genug. Dass man seine Kollegen an und an an die Wand klatschen kann,ist normal und menschlich. Es sollte nur nicht Normalität werden. Dann passiert es,dass Konflikte normal werden und kein professioneller Umgang untereinander möglich ist,weil mindestens eine Partei sich zurück zieht und innerlich erkaltet.

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  7. @ Leyla: nimm dir nen Müslikeks und komm runter…..

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