Klassenfahrt

Unser Bewohner ist im Krankenhaus verstorben.
Die Betreuerin des Herrn, gleichzeitig die Schwiegermutter des Tochter der Bewohnerin kommt vorbei und informiert uns darüber.

„Der Adelheid (Tochter des Bewohners) sage ich es aber noch nicht!“ sagt sie.

„Hä? Warum nicht?“

„Ja, sie ist bis Mittwoch auf Klassenfahrt in München mit ihren Schülern. Wenn ich ihr das nun sage ist sie völlig von der Rolle.“ meint sie.

„Klar, aber so etwas muss sie doch wissen!“

„Ne, ne. Erst am Mittwoch. Damit sie nicht so durcheinander ist.“ sagt sie.

„So etwas habe ich noch nie gehört.“

„So mache ich das.“

Hoffentlich kriegt sie eines auf die Fresse von der Tochter.

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12 Antworten zu “Klassenfahrt

  1. Da ist bzw. war der Mann von der Enkeltochter der Betreuer. Hm, wie diese Konstellation zustande gekommen ist, würde mich mal interessieren.

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  2. Kommt mir bekannt vor. Auf Geheiß meiner „Mutter“ wurde mir vor etwa einem Dutzend Jahren der Herzinfarkt meines Vaters verschwiegen. Ich kann so was einfach nicht nachvollziehen…

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  3. silberträumerin

    meine eltern erzählen mir nur auf äußerst hartnäckiges nachfragen, wie es ihnen und meinen omas gesundheitlich geht. „weil sie mich nicht damit belasten wollen.“ nett gemeint, aber mich belastet es wesentlich mehr, wenn ich nie weiß, wie’s ausschaut und irgendwann aus heiterem himmel die info bekomme, dass die oma schon seit tagen im krankenhaus ist… nee, da wäre es mir doch lieber, wenn etwas offener informiert würde…

    *kopfschüttel* manchmal ist verschweigen oder warten, bis man was erzählt, nicht das richtige.

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    • Kenne ich.Ich mache mir jeden beschissenen Tag Gedanken um ein Familienmitglied wo man nicht weiß was jetzt los ist.Das holt einen mehr runter als alles andere. Momentan macht mich nichts trauriger als das.Jeden Tag.Stundenlang. 😦

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    • Meine Mutter hatte zum Glück all die Jahre immer gleich gesagt, was los war bei ihr. Nervenzerreißend war nur immer die Warterei auf Laborergebnisse oder dass eine OP endlich rum ist und sie noch einmal aufwacht… aber, mhhh… naja, mittlerweile ist sie fast ein Jahr jetzt von ihrem Leid erlöst… 😦
      Mein vater sagt leider nicht von selbst, was mit ihm ist. Aber ‚hartnäckig‘ muss man zum Glück bei ihm nicht nachfragen, denn er lügt nicht. Eine einfache Frage, wie es ihm geht und dann wird man wirklich auf den neuesten Stand gebracht. Da bekomme gleich eine ehrliche Antwort.
      Das Schlimmste ist, im Ungewissen zu sein. Das Zweit-Schlimmste: nichts tun zu können.

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      • silberträumerin

        ja, hilflosigkeit ist auch schrecklich. mir hilft es in solchen fällen ein bisschen, wenn ich die sichtweise ändere: ich kann zwar an der situation selbst nichts ändern, aber ich kann für die person da sein – und das ist oft sehr viel wert. zuhören, begleiten, trösten, nicht alleine lassen, lieben…

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  4. Ich würde es auch direkt wissen wollen. Das Verhalten von dem Betreuer ist doch mehr als doof…

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  5. Ja und nein ! Einerseits bin ich völlig bei euch, dass der Sohn umgehend vom Tode erfahren sollte. Andererseits ist er auf Klassenfahrt und hat Schutzbefohlene unter sich. Je nach Verfassung des Menschen, kann da dann wirklich einiges schiefgehen und sofern keine kurzfristige Vertretung für die Klassenfahrt realisierbar ist, muss man das im Sinne der Verantwortung für die Schüler vielleicht sogar positiv werten, auch wenn es hart ist.

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  6. Ja, hoffentlich hat er eine gelangt bekommen.
    Tolles Blog nebenbei 🙂

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