Praktikant

Unser neuer Praktikant raubt mir den letzen Nerv. Zwei Wochen ist er schon da, eine Woche muss er noch.

Sieben Mal hatte ich den Jungen, 15 Jahre jung, mit, den Rest haben die Kolleginnen übernommen.

Sieben Mal waren wir bei Herrn X., dieser macht in der Grundpflege alles alleine, sein Oberhemd kann er aber nicht alleine zuknöpfen. Einfach gesagt so: Zimmer betreten, Knöpfe schließen, Pullover anziehen und wieder raus.

Der Praktikant traute sich das beim sechsten Mal anschauen selbst zu. Als der Bewohner mir auf dem Flur entgegen kam waren die Knöpfe in den völlig falschen Löchern, alles war schief und krumm. Kann ja passieren, also sagte ich das dem Jungen:

„Ach, das sieht man gar nicht!“ sagte er.

„Ne, so geht das nicht. Das muss man schon richtig machen.“ antworte ich.

„Mmmh.“

„Willste das nochmal knöpfen?“ frage ich.

„Ach…. jaaahaa.“

10 Sekunden später war er wieder bei mir:

„So, fertig!“ sagt er.

„Quatsch, in so kurzer Zeit hast Du das nicht geschafft!“

„Ich habe oben den Knopf neu zugemacht!“ meint er.

„Ne, alle Knöpfe. Nicht nur oben. Oder läufst Du auch so rum?“

Mit einem Augenrollen ging er dann wieder weg. Richtig angezogen hat ihn dann aber trotzdem meine Kollegin. Irgendwie wollte er nicht. Als ich ihn danach fragte erhielt ich keine Antwort.

Dann sollte er Frau Y. in den Speisesaal begleiten:

„Kannst Du Frau Y. in den Speisesaaal begleiten?“ frage ich.

„Jip!“

Er geht in das Zimmer von Frau Y., klopft nicht an und sagt:

„Ey, ich soll dich zum Essen jagen!“

„Wieso raffst Du das nicht? Du kannst die Bewohner nicht einfach so mit ´Du´anreden. Entweder sie bieten dir das an oder Du lässt es. Und gejagt werden hier nur Praktikanten! Das wurde dir doch schon hundertmal erklärt!“ sage ich ihm.

Einige Stunden später kommt das Essen auf die Stationsküche. Da haben dann die Pflegekräfte nichts zu suchen. Auch keine Praktikanten. Wer steht mal wieder in der Küche? Der Praktikant.

„Raus hier, ich sage dir das nicht jeden Tag!“ mecker ich.

„Nö, ich mache ja nichts, stehe hier nur.“

„So, es wird nun so lange mit dem Essen verteilen gewartet bis unser Praktikant die Küche verlassen hat.“ sage ich.

Er gibt sich geschlagen, verlässt die Küche mit hochrotem Kopf.

Neuer Tag, neues Glück:

Essen wird verteilt, wer steht in der Küche? Genau!

„Sag mal, Du bist ja schon wieder in der Küche!“ sage ich ihm.

„Ja. Und diesmal bleibe ich auch. Dein Spruch mit dem Essen gestern… die Bewohner essen erst wenn ich raus bin.. damit kannste mich nicht schocken… ich bleibe.“

„Geht dir da eigentlich einer bei ab? Kriegste bei dem scheiss Gerede einen harten Pimmel? Ich muss jetzt eben die Frau K. spritzen, falls Du danach noch immer hier in der Küche bist dann stecke ich dich mit deinen Klamotten in die Badewanne.“ antworte ich.

„Das machst Du nicht!“ sagt er.

„Oh, oh, da kennste den Sven aber schlecht!“ sagt unsere Schülerin.

Er hat die Küche aber verlassen.

Morgen kommt die Lehrerin vorbei. Mal sehen was das wird.

 

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15 Antworten zu “Praktikant

  1. Oh man. Ohne Worte.

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  2. Frage ich mich, ob er Berührungsängste hat, die er nur mit „Coolness“ versucht, zu überspielen, oder einfach nur doof ist. Wir haben auch immer sehr viel Geduld mit unseren Schülern, aber bei sowas wäre ich schon dezent ausgerastet.

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  3. Wie kommt so jemand dazu, ein Praktikum bei euch zu machen!?

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  4. Da fällt einem wirklich nichts mehr zu ein ;(
    Das scheint doch wirklich ein Fall von zugewiesener Praktikumstelle zu sein weil er selbst keine Lust hatte sich eine zu suchen.
    Da kann man nur hoffen das der mal ganz kräftig auf den Allerwertesten fällt um mal wach zu werden.

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  5. Bei manchen Leuten kann man sich echt nur an den Kopf greifen. Übrehaupt weil der mit seinen 15 Jahren nichts zu melden hat. Wenn du ihm sagst „spring“ hat er nur zu fragen „wie hoch?“ normalerweise.

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  6. Sei so gut und sei ehrlich zur Lehrkraft, die muss das wissen. So etwas schlägt sich nämlich dann auch in der einen oder anderen Begutachtung nieder… außerdem können Lehrer da manchmal etwas mehr Druck aufbauen…

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    • Lehrerin war gestern da. Ihr wurde das gesagt.

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      • Ich vermute auch, das er die Pfleglinge nicht anfassen möchte. Das muß nichts mit Alt & Krank zu tun haben; manche wollen eben andere (und dann noch Alte) nicht anfassen. Klar; was macht er dann bei Euch?! Manche haben eben falsche Vorstellungen von medizinischen Jobs usw..

        Ich vermute, daß er manche Sachen zu Hause erzählt und dann so Ratschläge bekommt
        wie „Laß Dich nicht vertreiben. Schau, was die anderen machen.“ usw. usf..

        Könnte es sein, daß er bei so „flapsigen“ Aussprüchen versucht, Dich zu imitieren? Motto;
        Der duzt die „Alten“, dann darf ich das auch. Oder eben, daß er bei „Pfleglingen“ keinen Respekt hat. Richtung: Alt & Senil ist ein und dasselbe.

        Und was hat die Lehrerin gesagt?! Daß Du sensibler und einfühlsamer sein mußt?! (Grins).

        In meinem Job werden den Neulingen das Ego von den Vorgesetzten derart aufgeblasen,
        daß sie den „Profis“ mit 20 und mehr Jahren Erfahrung die Arbeit „erklären“ und schlechte
        Kritik ist „verboten“. Beispiel: Sie sind keine Azubis oder Anfänger, sondern „Bezeichnung unserer Chefetage“-Assistents. Man darf ihnen nicht „zumuten“, daß sie das, was sie bearbeiten sollen, sich selber holen. Wenn sie dann ausgebildet sind, wissen sie gar nicht, wo die Arbeit herkommt usw. usf. Wie ist das bei Euch?

        LG

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      • Ich hatte mit der Lehrerin nicht gesprochen, meine Kollegin hat mit ihr geredet. Laut Lehrerin sei er in der Klasse und für sein Alter eher unreif.
        Das mit dem per „Du“ bei den Bewohnern habe ich ihm oft erklärt, ich duze ja auch nicht jeden Bewohner. Nur wenn es angeboten wird.
        Ich hatte noch Urlaub vor zwei Wochen, er war schon da. In der Zeit ist eine neue Bewohnerin eingezogen. Ich hatte ihn während der Grundpflege mit, musste dann auch zu der neuen Bewohnerin. Er kannte die Dame wohl schon, dies wusste ich nicht. Also sagte ich ihm er soll mal eben zu meiner Kollegin gehen und fragen ob es etwas spezielles zu beachten gibt. Die Dame macht alles alleine, aber man weiß ja nie. Was sagt er? „Da brauch ich nicht fragen. Einfach reingehen, in die Hände klatschen und sagen die soll hoch!“ Und so etwas hat er bei uns nicht gesehen oder abgeschaut.

        In der Pflege ändert sich ja ständig etwas, hier sind die neuesten Tipps/Trends aus der Schule schon nicht verkehrt. Die Schüler sollen so etwas auch erzählen. Auch können die in der Schule erlernten, theoretischen Abläufe in der Praxis ausgeführt werden. Die Schüler sagen den festangestellten Mitarbeitern nichts, egal ob diese Helfer oder examinierte Kräfte sind. Es wird also keine Helferin von einer Schülerin über die Station gescheucht. Berechtigte Kritik, von beiden Seiten, wird natürlich ausdisskutiert. Ist aber unter den Kolleginnen nicht einfach. Es läuft aber fair ab.

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  7. grauenhaft. wer hat den sozialisiert? null mitgefühl. ob der noch was wird?

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  8. Hach, ja, die Praktikanten/innen… 😕

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    • Wir hatten vor einer Weile so einen pickelgesichtigen, vollbärtigen Jüngling als Praktikant, der stets mit Anzug und Kravatte herum marschierte, und sich produzierte, als sei er der Direktor höchstpersönlich. Von mir wollte er einmal während der Mittagspause die Umsatzzahlen meiner Abteilung wissen, mir ist vor lauter Überraschung das Besteck aus der Hand gefallen…

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  9. Ohne auf den Rest einzugehen, aber warum darf er denn nicht in die Küche? Ist dazu vorher ne spezielle Einweisung oder Hygienebelehrung erforderlich?

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    • Hygienebelehrung nicht, hat aber mit der Hygiene zu tun. Die in der Küche tätige Kraft hat Schürze etc an. Und unsere Küche ist für mehrere Personen einfach nicht ausgelegt.Da kann keiner vernünftig arbeiten wenn eine andere Person nur im Weg steht und das Essen anglotzt.

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