Starbesetzung

Eine Bewohnerin ist vor drei Tagen eingezogen, der Sohn war bis jetzt jeden Tag bei ihr.
Abends zieht er seine Mutter immmer halb aus, verzweifelt dann und klingelt um Hilfe.
Gestern redete ich mit ihm:

„Sie müssen Ihre Mutter nicht ausziehen, wir schaffen das auch.“ sage ich.

„Jaha, Sie haben aber auch viel Streß!“ antwortet er.

„Naja, dafür haben wir gerade noch Zeit.“

„Meine Mutter kommt ja aus einem Altenheim in NRW, da war immer Streß. Schlimm. Da habe ich das auch immer gemacht.“ meint er.

„Das brauchen Sie hier echt nicht machen. Vielleicht waren da weniger Mitarbeiter oder sonstige Probleme.“ antworte ich.

„Boah, da war Streß, immer Alarm so wie hier. Die hatten auf der Station am Nachmittag 8 Mitarbeiter bei 32 Bewohnern.“

„Woah, jeder hat dann 4 Bewohner zu versorgen, wo muss ich mich da bewerben?“ sage ich.

„Wieso? Haben Sie hier weniger Personal? Merkt man aber nicht!“ antwortet er.

Hallo? 32 Bewohner und 8 Mitarbeiter auf einer Station? Luxus pur!
Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen. Wahnsinn.

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23 Antworten zu “Starbesetzung

  1. Eindeutige Sache. Ging los mit normaler Besetzung, aber alles faule Säcke. Und irgendwo weiter oben saß jemand, dem die erfolgreich einreden konnten, dass sie das so nicht schaffen. Und so kam Faulpelz um Faulpelz dazu und der Sohn muss aushelfen.
    Kommt es eigentlich oft vor, dass Bewohner von Heim zu Heim „umziehen“? Zumal dem Angehörigen in dem Fall ja nicht bewusst gewesen zu sein scheint, dass die Zustände vorher ungewöhnlich schlecht waren.

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    • In diesem Fall war es die Entfernung vom Wohnsitz des Sohnes zum Heim.
      Doch, kommt ab und an vor so ein Umzug.
      Auch ziehen hier und da Bewohner aus unserem Haus aus, in einem Fall nach Hause, da hatte dann die polnische Pflegekraft nach 12 Wochen die komplette Wohnung nach Polen verschifft und sich selbst dazu.
      In einem aktuellen Fall ist ein Bewohner ausgezogen, die Tochte meinte dass das Heim 15 Kilometer weiter viel besser ist. Dort war der Bewohner drei Wochen, ist danach erstmal für sechs Wochen in der Psychatrie gelandet und vegetiert jetzt im neuen Heim vor sich hin. Er hatte sich bei uns wohl gefühlt, die Tochter meinte das Gegenteil.

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  2. Die Menge des Personals ist kein Zeichen für ein mehr an Qualität. Lieber weniger Personal aber dafür steht jedeR hinter dem Job den er/sie auf der Station macht.

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    • richtig, aber eine gewisse untergrenze sollte es doch geben, ist natürlich auch abhängig von der struktur des hauses /der station und was für aufgaben noch mit übernommen werden müssen. (trotzdem: die adresse von dem erwähnten heim hätte ich auch gern. nur mal gucken :-))

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      • „man könnte ja schlecker frauen die durch die insolvenz von schlecker arbeitslos geworden sind in nem crash kurs der vhs „altenpflege, das nötigste in kürze“ umschulen.“ solche geistesblitze unserer politiker zeigt nicht nur wes geistes kind solche poli ticker sind sondern zeigt die haltung, unserer gesellschaft und vor allen dingen welchen stellenwert/status der beruf des altenpflegers in unserer gesellschaft hat. die pflegereform ist was das thema „altenpflege“betrifft eine politische bankrotterklärung einerseits.

        was die vorsorge für s alter betrifft kann ich jedem der heute arbeitet für seine absicherung im alter nur empfehlen sein geld in aktien der altenindustrie – heimbaugesellschaftem, hilfsmittelindustrie anzulegen. andernfalss werden wir alle später mal alt aussehen.

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    • Sicher, viele Köche verderben den Brei.

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      • nicht wenn jeder koch weiß wo er hingehört und mit herz bei der sache dabei ist. dazu bruachts aber die entsprechenden rahmenbedingungen. von status angefangen über ein umdenken der kozepte von altenheimen bis hin zu einer angemessenen entlohnung

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  3. In der Hospizarbeit kommt in der Frühschicht auf vier Gäste eine examinierte Pflegekraft – aber sonst ist ein solcher Schlüssel sehr ungewöhnlich.

    Bei meiner Mutter in der Wohngruppe im Heim für dementiell veränderte Menschen war der Schlüssel unter der Woche auch so, wobei es auf der Wohngruppe ein gemischtes Team (examinierte Pflegekräfte, Heilpädagogen, Hauswirtschafskräfte, Pflegeassistenten) waren. Dazu kamen dann noch die gruppenübergreifenden Mitarbeitenden haupt- und ehrenamtlich.

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  4. traurig, dass Sie das als Luxus auffassen!!!

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  5. Sehr ungewöhnlich, letzter Praxisblock (Bochum – NRW):
    1 ex. Fachkraft, 1 APH und zusätzlich ich als Schüler für 30 Bewohner.
    Es waren keine Schwerstpflegefälle im Wohnbereich, aber schon ein paar bettlägerige Senioren und 4 Personen denen das Essen gereicht werden musste.

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    • entschuldigung aber was zum teufel sind „schwerstpflegefälle“ es geht um die zeit für ein mindestmaß an zuwendung. es geht um die zeit die man mit den menschen verbringt der einem nahe steht und zu dem man in einer pers beziehung steht. altenpflege besteht nicht in der technischen abwicklungen von bestimmten arbeiten wie waschen, duschen und füttern. mit alten menschen zusammen leben heißt sich den alten menschen anpassen, ihnen gerecht zu werden. zeit ist da ein thema. je weniger personal vorhanden ist umso weniger zeit hat man für den/die einzelnen alten menschen die unter dem dach eines altenpflegheimes leben. altenpflege wird heute idr nach ner art 08/15 fließbandroutine abgewickelt.

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      • Ich wollte damit lediglich ausdrücken, dass es in diesem Bereich keine Bewohner gibt, die der Heimleitung ein Plus an Personal entlocken, sondern es muss mit dieser geringen Personaldecke gearbeitet werden.
        Menschen werden in den Heimen nun einmal nach der Pflegebedürftigkeit eingeteilt, dass liegt schlichtweg an dem was der Gesetzgeber, die Kranken- und Pflegekassen vorgeben, da kann der einzelne Pfleger sich nicht entziehen nur weil er es nicht gut findet. Arbeitsbedingungen sind vorgegeben und sicher würde jeder in der Pflege tätiger gerne mehr Zeit für die „Pflege der Seele“ bei den Bewohnern haben, nur gegen die Zustände wie sie heute in der Pflege herrschen, kann man nur gemeinsam etwas unternehmen.
        Die Pflege, egal ob im Krankenhaus, daheim oder im Heim wird, wie gesagt, wegen der vorgegebenen Möglichkeiten und bereitgestellten finanziellen Mitteln so abgewickelt und nicht weil wir Pflegenden es gerne so wollen.
        Muss die Dokumentation der Pflege so übertrieben getätigt werden wie in D? Wäre es nicht sinnvoller diese Stunde Arbeit zu reduzieren und mehr Zeit für die Menschen zu haben?
        Da haben sie als Bürger die Möglichkeit Einfluss zu nehmen.
        Alivenkicken haben sie als Bürger schon etwas unternommen um ihre Meinung öffentlich zu vertreten?
        Im übrigen, ich persönlich bin mit viel Elan, Empathie und vor allem Herzblut bei der Sache und ich habe so manche Pause bei Menschen verbracht die mich brauchten, von daher finde ich es recht unverschämt, was sie mir hier vorgeworfen haben.

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  6. @Mickey – Du Schüler. Wenn Du Dich der Mühe unterzogen hättest auf mein Bild = Link zu meinem Blog zu klicken, dann wäre Dir nicht entgangen das ich a) weiß wovon ich schreibe und hättest Dir somit b) die eine und andere Aussage sparen können.

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    • Ich habe darauf geklickt, umso verwunderter war ich über Ihre Aussage.
      Auf Grund eines Wortes, dass komplett sinnverfremdet wird dann einen kompletten Text falsch zu interpretieren …
      Spielt aber auch keine Rolle, da ich meine Meinung ausreichend dargestellt habe und ich weiß wie ich mit den zu Pflegenden umgehe 🙂
      Übrigens wir Schüler sind die Zukunft der Altenpflege, sicher gibt es da auch einige „Granaten“, aber die Masse ist mit viel Herz bei der Sache.

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  7. Hachje, Leute, immer wieder traurig, wie „herrsche und teile“ seit Jahrtausenden funktioniert. Ihr steht beide auf derselben Seite. Hört doch auf, euch zu beharken, findet eure Gemeinsamkeiten und dann tut jeder in seinem Umfeld sein Möglichstes (was, wie ich glaube, schon stattfindet!). Aber wenn wir immer uns nur aufeinander stürzen und nicht mal (sehr richtig erkannt, Mickey!) in der Politik etwas ändern, (was? sehr richtig erkannt, alivnkickin – mehr ZEIT für die Bewohner) dann werden wir auch nie voran kommen. Konkret: Schon mal auf http://www.rosenblaetter-im-irrgarten.de geschaut? Da haben schon über 50 000 eine Petition unterschrieben, das gibt eine öffentliche Sitzung im Bundestag! So, weitermachen 🙂

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  8. Unterbesetzung ist leider oftmals trauriger Alltag!Mein letzter Arbeitsplatz umfasste auf meiner Station 35 Bewohner und pro Schicht Eine Fachkraft(mich) plus eine Altenpfleghelferin und eine Schülerin- an „glücklichen“ Tagen war sogar noch ein Praktikant da…Dass ist viel zu wenig, ich habe auch immer für mehr Personal gekämpft, jetzt arbeite ich aber nicht mehr dort sondern studiere und hoffe danach etwas bewegen zu können

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    • So kenne ich das leider auch. Da ist das Personal schon am Limit, als Schüler werden wir dann noch zum Überstundenabbau genutzt. ;-(
      Am WE (Samstag, Sonntag) war ich ab 10:30 Uhr allein bis zum Schichtwechsel – also Toilettengänge, Mittagessen servieren, Essen anreichen, ins Bett wenn Mittagsschlaf gewünscht (der Teilbereich umfasst ca. 14-16 Personen), damit die Altenpflegehelferinnen (oder falls vorhanden die zweite Fachkraft) Überstunden abbauen konnten.
      Lernen steht da nicht im Vordergrund, glücklicherweise ist in meinem Wohnbereich ein recht gutes Team im Einsatz und ich habe von fast allen einiges lernen können und mein Praxisanleiter nimmt sich auch trotz der Hektik Zeit für uns Schüler.

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  9. Zum Thema Unterbesetzung . . . ein Schlüssel (diese Terminologie die s ja offiziell nicht mehr gibt) von bis max 3 Pflegekräfte + SchülerInnen, PraktikantInn und Hilfskräfte (Frühschicht unter der Woche bis 13.00) auf ca 30 alte Menschen auf einer Station ist ein „politisches“ wie auch „gesellschftliches“ Problem. Politisch deswegen weil bis dato keine Regierung ernsthaft eine Gesundheits – Pflegerefom i.e. die berühmten Rahmenbedingungen die ein „Alt werden in Würde“ unabhängig von dem Ort wo man sich befindet ermöglichen in Angriff genommen hat. Es waren in der Regel allerhöchstens Reförmchen.

    Das fängt z.b. mit den Beträgen der einzelnen Pflegestufen an. Würde man den gleichen Betrag den die Pflegekassen an die Altenpflegeheim überweist (z.b. Pflegestfue 2 Euro 1.279,-) anstelle des Betrages für die Pflege des Angehörigen zu Hause (Euro 921,–) erhalten, so könnte meine Mutter noch heute in ihrem Haus leben da bei Kombileistung die Pflegekasse ca 350,– mehr überwiesen hätte. Dazu kommt noch ein Betrag in Höhe von Euro 100,– gem § 87b eingeschränkte Alltagskompetenz.
    Von den Subventionierungen pro Platz in einem Heim mal ganz zu schweigen. Ich hätte mich da mit zusätzlichen Euro 200,– begnügt.

    Eine weitaus größere Ursache liegt imo in der Haltung der Gesellschaft alten Menschen gegenüber. Ich komme immer wieder aus dem Staunen nicht heraus wenn ich höre das ich der Einzige bin der seine Mutter regelmäßig besucht. Das heißt auch im Klartext das „nicht wenige „Abkömmlinge“ ihre Eltern in ein Altenheim abschieben. Natürlich gibt es Situationen wo Kinder auf Grund der Arbeits und Lebensbedingungen an einem anderen Ort als die alt gewordenen Eltern leben. Dennoch es könnten ungleich mehr alte Menschen in dem Ort an dem sie sich wohlfühlen, der Platz an dem sie den größten Teil ihres Lebens verbracht haben, in „Ihrem gewohnten Zu Hause“ in Würde alt werden. Insofern spiegelt ein Altenpflegeheim auch unsere Gesellschaft wieder.

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    • Alt werden ist in unserer Gesellschaft nicht gefragt.
      Unsere Regierung propagiert die Rente ab 70 – dort stellt man gerne dar, dass wir locker mal bis ins hohe Alter arbeiten können, weil wir ja alle so gut drauf sind und kaum mal Krankheiten und Gebrechen haben. Die Werbung und die Medien, zeigen uns auch gerne genau dieses falsche Bild vom alten Menschen. Ein 80 Jähriger der Fallschirm springt, jemand mit 76 der noch den Marathon läuft und all solche Ausnahmefälle. Das ist das Seniorenalter, welches uns man als „normal“ verkaufen will, auch wenn das wirklich nicht so ist.
      Logisch, wer das glaubt, der hat auch kein Problem mit miesen Zahlungen durch die Pflegekasse (braucht dann ja scheinbar kaum einer), denkt ab dem Erreichen der Rente fängt die Party erst richtig an …
      Die Realität interessiert da kaum, die demente Omi oder Mutti kann dann ja nur eine Ausnahme sein und sie gehört ins Heim, aber gefälligst soll dann wieder die Kasse zahlen.
      Interessant wird das für die meisten Menschen aber leider erst dann, wenn sie selber betroffen sind.
      Da liegt wohl auch der Knackpunkt, Alt werden, Alt sein gehört nicht zum Leben der meisten Mitbürger und kosten darf das schon gar nichts, denn es wird uns ja immer gezeigt und gesagt wie fit unsere Alten doch sind oder sein müssten.

      @alivenkick
      Die letzte sogenannte Pflegereform war ja auch leider wieder nur eine Verschlimmbesserung. Es gibt halbwegs gute Grundgedanken (zusammenfassen der Leistung für mehrere Personen die zusammen wohnen möchten etwa – aber die Leute müssen es selber organisieren was ja meist gar nicht geht ….), die Umsetzung geht wieder vollkommen an der Realität vorbei.

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