Gießkanne

Kollegin:

„Du Sven, ich war gerade bei Frau St. Die gute Frau hatte sich komplett eingenässt. Bett, Boden, Kleidung. Alles war nass.“

„Zum Glück bin ich da nicht zu oft!“ sage ich.

„Sie sagt aber das Gegenteil.“

„Hä? Wie meinste das?“

„Ja, sie sagte: `Ich bin hier friedlich am schlafen, auf einmal kommt der Pfleger hier rein, nimmt eine Gießkanne und macht mich von oben bis unten nass. So etwas kann doch nicht angehen.´ Ich sollte mal mit dir reden, so etwas sollst Du in Zukunft unterlassen.“

„Hehe, wie ist die denn drauf?“

„Ja, sie will dich heute nicht mehr sehen.“

„Und was mache ich jetzt mit der neu befüllten Gießkanne?“

„Ach… nervt dich das nicht wenn sie so etwas sagt?“

„Nicht die Bohne.“

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13 Antworten zu “Gießkanne

  1. Im Therapeuten-Jargon würde man das, was die Bewohnerin macht – auf gut neudeutsch – „Reframing“ nennen. Wenn diese Umdeutung ihr hilft, ihre Würde zu bewahren und sich nicht zu schämen, dann kannst Du vermutlich gut damit leben.

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  2. Die ist ja noch genialer, als die alte Dame (jetzt wohnt sie im Pflegeheim) aus dem zweiten Stock, die nen Freund und mich, als wir auf den Schaukeln vor ihrem Haus waren, immer mit Brot abwarf. 😀 einmal flog auch ’ne Scheibe Salami, ein Marmeladenglas und genau 12ct, eingewickelt in Papier (warum auch immer)…
    (Kein Scherz!!)

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  3. Sven steht eben auf Wet-T-Shirt-Contests 😛

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  4. Spreng‘ doch den Rasen oder gieß‘ Blümchen, wenn du die Gießkanne mal wieder voll hast. 😉

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  5. Es wäre interessant, ob sie bewusst oder unbewusst diese unwahre Geschichte erzählt, ob sie also die Inkontinenz nur anderen gegenüber verbergen oder auch sich selbst nicht eingestehen will.

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  6. LooooooL nicht jeder bleibt da so cool.

    Mich hat da mal eine Patientin ganz besonders auf dem Kicker gehabt, ich weiß ja auch nicht warum, bei der dementen Dame durfte ich 2 Wöchentlich antreten zur Lymphdrainage 45 min Hausbesuch, die hat sich erschreckenderweise mit ihrer Zimmergenossin immer auf geschaukelt von “Reframing” wusste ich damals noch nix.
    Einmal rief ein erboster Pfleger bei uns in der Praxis an und wollte von mir wissen, warum ich ihr erzählt hätte, das man ihr zweites Bein auch noch amputieren sollte … nachdem sie mich gefühlte 50 mal danach gefragt hatte und ich ihr immer wieder gesagt habe Lymphödeme werden nicht amputiert (zumal sie vermutlich nur ein Mäßiges hatte, mir fehlte leider die Vergleichsmessung, das die im alter von 25 ihr anderes schon bei einem Unfall eingebüßt hatte)
    Nachdem die Beiden Damen Einzelzimmer bekommen hatten, waren sie beide sogar recht genießbar.

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  7. Reframing ist echt ein passender Begriff für diese Szene.

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  8. Ha ha, das kenne ich.
    Eine Bewohnerin von einem anderenStockwerk, wo ich aushalf, hatte sich mit noch schlimmerem beschmutzt. Beim säubern beschimpfte sie mich übelst als Dreckspatz der sie so schmutzig gemacht hätte und schrie nach der Polizei. Die hätten sie aber wohl auch nicht saubergemacht.

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