Auszug

Herr M. hat das Heim gewechselt, er zieht von unserem Haus in ein privat geführtes Haus.

Die Papiere für das Heim mit Medikamentenplänen, Diagnosen, Pflegehinweisen etc. habe ich seiner Tochter mitgegeben.

Nun ruft die Enkeltochter von Herrn M. an:

„Ja Sven, ich stehe hier gerade mit Opa in dem neuen Heim.“

„Ok.“

„Du hattest den Medikamentenplan mitgegeben, da fehlt aber so einiges, ich hatte da mal einen Blick drauf geworfen.“

„Warte kurz.“

Kann ja sein, vielleicht wurde etwas vergessen, also nochmal die Kopie vom Pflegeverlegungsbogen für das Heim mit unseren Originalunterlagen verglichen. Ne, alles in Ordnung. Beide identisch.

„Du, da fehlt nix.“ sage ich.

„Sven, ich bin auch Altenpflegerin. Letztes Mal war ich bei Opa und er nahm Abends noch einen Beruhigungssaft ein, hier auf dem Plan steht da aber nichts von. Da müsst ihr schon genauer schauen wie ihr die Pläne ausfüllt. Opa soll es hier an nix fehlen. Und gerade bei Medikamenten muss man aufpassen.“

„Katja, den Melperon Saft hat dein Opa das letzte Mal am 15.02.2012 bekommen, danach wurde dieses Medikament durch den Hausarzt abgesetzt da er das Zeug nicht mehr benötigt.“

„Also als ich das letzte Mal bei ihm war hat er den Saft erhalten.“

„Dann warst Du das letzte Mal vor dem 15.02.2012 hier. Danach hat er ihn nicht mehr bekommen.“

„Auf jeden Fall hat er es mal bekommen.“

„Richtig.“

Ja, pseudofürsorgliches Enkelkind, der Opa hat die Tropfen bekommen. Nur ist das fast ein halbes Jahr her.
Meine Meinung: Wenn man den Opa so doll lieb hat und sich so um ihn sorgt dann kommt man innerhalb eines halben Jahres auch öfter mal vorbei.
Auch wohnt die Enkeltochter nur knapp 5 Kilometer entfernt.
Muss ja jeder selbst wissen.

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10 Antworten zu “Auszug

  1. Das sind die Schlimmsten, diese „G’schaftlhuaba/rinnen“, die sich alle heiligen Zeiten einmal blicken lassen, und dann meinen, alles besser zu wissen. Die haben wir alle gestrichen!

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  2. @Freidenkerin: Ja – volle Zustimmung. Das Ganze potenziert sich dann noch, wenn der Bewohner ein Promi ist, dessen Sohn Arzt ist und keine Heimunterbringung will und in eineinhalb Jahren den Vater ein oder zwei Mal dort besucht hat, aber immer wieder in Talkshows öffentlich verlauten läßt, wie schlimm das Heim war. Es war übrigens die gleiche Wohngruppe, in der meine Mutter mehr als fünf Jahre super betreut wurde und an der ich bis heute nur einen einzigen Kritikpunkt habe.

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  3. Nunja, kann ja sein, dass die Enkeltochter seit dem 15.2. nicht mehr ABENDS da war, um die (dann nicht mehr) Einnahme des Saftes zu beobachten. Schließt ja nicht aus, dass sie zu anderen Tageszeiten zu Besuch war. Immerhin hat sie sich das gemerkt, was ich den meisten Angehörigen nicht zutrauen würde.

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  4. Da würde ich nicht so vorschnell urteilen.
    Wisst ihr, wie sich der Opa gegenüber der Enkelin verhalten hat?
    Ich besuche meinen Vater auch max. 1x im Monat im Heim..
    Vor seinem Schlaganfall und dem Umzug ins Heim haben wir uns nur 1x jährlich gesehen und das lag nicht an mir.

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  5. @EinePerson: Gibt es, aber dann würdest Du sicher bei einem Umzug nicht die fürsorgliche Tochter raushängen lassen, oder?

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