Kuchen

Einige Bewohner waren im Speisesaal, es gab Mohnkuchen und Kaffee.
Nun kam eine Bewohnerin, Frau N., mit ihren beiden Töchtern in den Speisesaal. Die Töchter hatten einen Spaziergang gemacht, Jacken und Mäntel wurden noch nicht ausgezogen. Eine der Töchter sah den Mohnkuchen:
„Ach Mensch, der sieht ja sooo lecker aus! Oh, Mohnkuchen, toll. Der ist bestimmt saftig.“

Auch sprach sie eine Bewohnerin an, diese wollte gerade anfangen zu essen:

„Ach Frau B., was sieht der Kuchen gut aus, Mensch, der schmeckt bestimmt gut, ne, was lecker. So einen Mohnkuchen habe ich ewig nicht mehr gegessen. Ihnen schmeckt der Kuchen? Jaha, ich glaube es, aber sieht der gut aus, mmh, Mohnkuchen. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen.“

Tzja, was macht Frau B.? Sie teilt den Kuchen, gibt der Tochter die Hälfte ab, diese verschlingt den Kuchen im stehen, Mantel noch nicht mal ausgezogen.
Ich spreche sie an:

„Moin, ich hätte aber auch noch Kuchen übrig gehabt.“

„Nee, Herr Sven, die Frau B. wollte das Stück gar nicht ganz, sie hat es geteilt.“

„Ja, weil Sie die ganze Zeit von dem Kuchen geschwärmt haben. Die Generation ist so, die gibt dann ab.“

„Ne, sie wollte einfach nicht.“

„Ganz ehrlich: Ich hätte auch die Hälfte abgegeben, mir würde es auch nicht schmecken wenn jemand neben mir steht und in höchsten Tönen von dem Kuchen redet, selbst aber keinen hat. Wir haben doch immer Kuchen über, den gibt es doch auch hier umsonst.“

„Reden Sie mir jetzt kein schlechtes Gewissen ein. Wir können auch gemeinsam zu der Frau B. gehen und fragen ob sie den Kuchen noch wollte.“

„Natürlich würde Frau B. dies abstreiten, die Generation tickt doch ganz anders. Ihre Mutter möchte doch auch immer das Frühstück teilen wenn Sie nichts zu essen vor der Nase stehen haben.“

„Ich habe mir da nichts bei gedacht.“

„Ich finde das nicht gut.Kuchen können Sie immer von uns erhalten, ich erzähle Ihnen da nichts neues.“

Ich kann jeden Bewohner so lange bequatschen bis ich den Kuchen erhalte, kein Problem. Auch könnte man den Kuchen in der Küche kaufen falls man ihn nicht umsonst nehmen möchte. Oder man geht zum Bäcker, hier sind im Umkreis von 250 Metern drei Bäckereien, Mohnkuchen ist ja nun mal keine seltene Spezialität.

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16 Antworten zu “Kuchen

  1. Wenigstens hat sie ihn aufgegessen!

    Als meine Eltern im Spital waren, gab es auch solche und welche, die alles, was den Patienten
    zur Verfügung stand, in Anspruch genommen haben! Aber manche haben nur wenig abgebissen
    und den Rest stehen lassen! Und da gab es keinen Nachschlag!

    Manche haben sich sogar in Rollstühle gesetzt! UND dann noch gemeint, der Patient hat ja eh
    Zeit; sie selber gehen ja ohnehin bald!

    Meine Mutter wollte nie Essen stehen lassen, da sie vom Arzt die Anordnung hatte, eine bestimmte Menge zu essen! Ich sollte es mir mitnehmen oder aufessen! Das habe ich nie gemacht: 1. wegen der Anweisung des Arztes und 2. ist mir derartiges peinlich!

    Bei Spitalsessen habe ich immer das Gefühl, es steht mir nicht zu! Und bei so Sachen wie im
    Rollstuhl sitzen; da bin ich abergläubisch! ;–)

    LG

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    • Manche ticken da anders: hier war Betriebsfeier,25 Jahre, die Angehörigen wurden per Post eingeladen zu kostenlosem Kaffee/Kuchen.Wie viele Angehörige da waren… Wahnsinn… und ich möchte nicht wissen wie viele es wegen der kostenlosen Torte waren.

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  2. Wo doch viele alte Menschen eh Probleme haben, ihr Gewicht zu halten, muss die Alte auch noch hingehen und den Pflegebedürftigen den KUchen aus den Rippen leiern. Manchen ist auch gar nichts heilig 😦

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  3. Finde ich sehr großzügig, daß es bei Euch den Kuchen auch für die Angehörigen gibt.

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  4. Die blinde Gier nach Mohnkuchen kann ich ja sogar nachvollziehen. Ich esse Mohnkuchen sehr selten, und wenn ich dann welchen sehe, denke ich den ganzen Kram, den diese komische Frau der Bewohnerin ins Ohr gesülzt hat.
    Aber ich _denke_ den Kram, ich sage ihn nicht. Und nachdem ich dann zufrieden lächelnd davonmarschiert bin, steuere ich zielstrebig die nächste Bäckerei an und kaufe mir ein Stück. Oder 5.

    Aber ich würde doch nie im Leben irgendwelchen alten Leuten den Kuchen abschwatzen!
    Ich wiederhole mich hier ständig, aber: Leute gibt’s…

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  5. Was ist das für eine Art einer ‚Fremden‘ auch wenn man ihren Namen kennt und öfter mit ihr plaudert, den Kuchen abzuschwatzen?
    Wenn sie schon nicht weis das sie ganz problemlos ein gratis Stückchen aus der Küche haben kann, dann hätte sie es am ehesten noch bei ihrer EIGENEN Mutter versuchen sollen. „Mama, nim dir so einen Kuchen, bitte….“

    Aber gut das du diese Dame darauf aufmerksam gemacht hast. Die meisten Leute, denke ich, sagen da eher nix und denken sich nur ihren Teil.

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  6. Find ich ja echt unverschämt von der Angehörigen. Wie kann man so dreist sein?
    Wir haben eine Bewohnerin, die hat einen Freund (war angebl, der beste Freund des verstorbenen Mannes). Dieser Freund kommt immer zu den Mahlzeiten und ißt zusammen mit ihr auf ihrem Zimmer. Zuerst brachte er sich noch selber was mit, jetzt muß sie ihr Essen mit ihm teilen. Kürzlich bestellte sie bei mir doppelte Portion, weil ihr Freund ja auch was haben wolle, Da dieser Freund zu uns Mitarbeitern sehr frech ist, meinte ich nur, dass das Essen für die Bewohner ist und wenn der Freund was wolle, soll er es sich selber aus der Küche holen und dort auch bezahlen. Mich ärgert sein freches Verhalten, kürzlich meinte er sogar er würde über die Bewohnerin bestimmen und wir müßten machen was er will. Ich weiß das sie extra Essen im Kühlschrank ihres Zimmers hat, also verhungern wird sie nicht, aber ihn empfinde nicht nur ich als Schmarotzer.
    Ich bin sonst nicht so. Wir haben eine bettlägerige Bewohnerin, die zweimal die Woche Besuch von einer ehemaligen treuen Nachbarin bekommt, die bei jedem Wetter extra 20 km hergefahren kommt, immer über eine Stunde bleibt und sich sehr um die Bewohnerin bemüht, sie liest und singt ihr vor. Da gehe ich immer hin und frage ob sie Wasser, Kaffee und einen Kuchen möchte.

    Von einer anderen Station habe ich gehört, dass der Sohn zu allen Abendmahlzeiten kommt und seiner Mutter das Essen wegißt – grrrr.

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  7. Und, Sven, warum musst du für die Bewohnerin sprechen?
    Kann sich diese nicht alleine äußern?
    Sonst plädierst du auch immer auf der Selbstständigkeit der Bewohner;
    diese Dame hätte auch von sich aus der jungen Frau sagen können, dass sie sich kostenlosen Kuchen holen kann, wenn sie ihn partout nicht gewollt hätte.
    Du sprichst ihr damit jede Unmündigkeit ab, indem du vorgibst, sie könne ihren „wahren“ Willen nicht alleine äußern. Mentalität hin oder her.

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    • Hehe,danke.Habe Tränen gelacht bei dem Kommentar.Ehrlich.

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    • Muß ich auch grad drüber lachen. Zum einen ist gerade diese Generation so erzogen, das sie sich schämen würden nichts abzugeben. Zum anderen weißt Du wohl auch nichts, aber schon gar nichts über Demenz! Der Bewohner kann sich nicht entsprechend äußern, selbst wenn er es will.
      Kritikunfähig bist nur Du liebe Christine, und lernresistent dazu. Warst Du schon mal in einem Heim und hast Dich dort mit den Bewohnern beschäftigt? Erst dann kannst Du mitreden. Ansonsten, sei lieber still!

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  8. Oh ha – das les ich erst jetzt.
    Huch – soetwas gibt es wirklich?? Hm – also, ehrlich gesagt, ich finde diese „Mantel-Tucke“ ganz schön dreist. Das ist total peinlich, der Bewohnerin da den Kuchen aus der Nase zu ziehen und noch im Stehen und „in Hut und Mantel“ wegzufressen. Haben nicht Demente eh schon Schwierigkeiten, die Lage zu blicken und sich zu „verteidigen“? Das ist ja echt Ausnutzung, würd ich ma sagen… bloß wegen ’nem Stück Kuchen… voll fies.

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