Kommunikation

Frau O. hat Besuch von ihrer Tochter, beide kommen in Richtung Schwesternzimmer, wollen einige Informationen haben. Vor dem Schwesternzimmer auf dem Sofa sitzt der Bewohner Herr W. mit Tochter und dem Urenkel.

Die Fragen von Frau O. und der Tochter habe ich beantwortet, die Tochter redet mit ihrer Mutter:

„Mama, Du hast ja einen ganz netten Pfleger hier!“

„Ach, hör auf, wenn Du weg bist sperrt der mich wieder in mein Zimmer ein, ganz schlimm ist der Sven!“

„Mama, hör auf so was zu sagen!“

„Doch, mit der Hand schubst er mich dann in mein Bett. Stimmt doch, Sven, oder?“

„Ne, nicht mit der Hand, ich habe da einen dicken Stock, ich mache mir doch nicht die Hände schmutzig.“ antworte ich.

„Siehste, siehste, siehste, da haste es, so ist der.“ sagt Frau O.

„Ja, Mama, ich merke schon wie schwer Du es hier hast.“

„Kind, fahr aber trotzdem, mit dem Sven werde ich fertig.“ sagt Frau O.

„Sie müssen sich das Gerede meiner Mutter nicht zu Herzen nehmen.“ sagt die Tochter zu mir.

„Hä? Nicht zu Herzen nehmen soll er sich das? Der hat doch gar kein Herz. Oder Sven?“ sagt Frau O.

„Ne, habe ich unten gelassen im Umkleideraum.“ antworte ich.

„Siehste Kind, so ist er.“

„Ja, Mama, bis später.“

Tochter geht weg, Frau O. geht lachend in ihr Zimmer.

Nun spricht mich Herr W. an, der auf dem Sofa vor dem Schwesternzimmer mit der Tochter sitzt:

„Sven, kennste meine Tochter hier neben mir?“

„Ja, klar, die kenne ich.“

„Und den hier? Der ist 3 Jahre, kennste den?“ Er zeigt auf seinen Urenkel.

„Willi, hör auf, jubel mir hier nicht die Kinder unter. Mit dem habe ich nichts zu tun. Von mir kommt er nicht.“

„Meinste das Du so einen hinbekommst?“

„Ich habs schon mal probiert, noch habe ich aber keine Kinder. Nicht das ich wüsste.“

„Du bist mir schon so ein Probierer.“

„Auf jeden Fall.“

Herr W. unterhält sich weiter mit der Tochter, ich mache in der Zeit meinen Schreibkram weiter.

Nach einigen Minuten kommt die Tochter von Herrn W. in das Schwesterzimmer:

„Hallo!“

„Moin.“

„Also wie Sie mit der Frau O. und meinem Vater reden. Sonst bin ich ja immer mit meinem Vater im Zimmer, bekomme den Alltag hier von der Station nicht wirklich mit. Aber das die alten Menschen hier so viel lachen und so mit denen geredet wird… toll, für meinen Vater ist es genau das Richtige, der mag so reden, die Frau O. war meiner Meinung nach auch angetan. Hätte ich nicht gedacht.“

Schön wenn Angehörige so etwas merken. Zumal der Vater schon knapp 1 Jahr bei uns wohnt.
Natürlich rede ich nicht mit jedem Bewohner/Angehörigen so.

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8 Antworten zu “Kommunikation

  1. Dazu kann ich nur sagen: „Daumen hoch“! Finde deine Art SUPER!

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  2. Ich finde auch, dass man nicht immer alles bierernst nehmen sollte. Und wenn man ins Altenheim einzieht gibt man nur selten sein Leben und den Humor an der Pforte ab.

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  3. Viel zu selten, daß solche Arbeit gelobt wird …

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  4. Klasse! Mit Humor geht immer alles besser – leider sehen das Viele heutzutage eher nicht so.

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  5. Mh. Ich denke auch, wenn man die Bew. kennt, lernt man sich kennen und kann auch die Grenzen des Anstandes beiseite schieben. Wieso auch nicht?

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  6. wiklich cool, mit Humor zur Lösung 😀

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  7. egal ob als bewohner oder pflegendes personal, wenn man dazu in der lage ist – dem alltag in einem altenpflegeheim mit solch einer haltung entgegenzutreten, wunderbar. würde ich mir auch wünschen . . . .

    ich erlebe das personal in dem heim in dem meine mutter jetzt lebt als recht entspannt. wenn ich zu besuch komme dann flachsen wir immer über alles . . . . den meisten der bewohnerInnen fällt es allerdings sehr schwer . . .
    es steht außer frage das ein solcher umgang wie von dir hier geschildert den alltag für alle entspannt . . . . 😉

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  8. Was glaube ich viele Angehörige vergessen: Das Altenheim ist kein Krankenhaus zum Aufpäppeln der Kranken, sondern ein Zuhause. Und da will man möglichst normal behandelt werden. Und wenn dazu früher Herumalberei oder leicht anzügliche Scherze gehört haben, dann gehört das am besten weiter dazu, damit sich die Bewohner wohl fühlen.

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