Hausverkauf

Ehepaar V. wohnt im Altenheim, der Mann wohnt bei uns auf der Station, ziemlich verwirrt, die Frau, geistig fit, ebenfalls.
Natürlich könnten sie sich ein Zimmer teilen, dafür macht der Mann aber zu viel Blödsinn, z.b. die Wärmflasche mit kaltem Wasser füllen und der Frau über das Bett gießen. Oder er zieht die etwas zu engen Röcke und Schuhe der Frau an wenn er sie besucht.
Nun soll der Mann laut Sohn jeden Tag nach dem Abendbrot zu seiner Frau gebracht werden. Manchmal denke ich der Bewohner möchte dies gar nicht. Zumindest nicht jeden Tag.
In der Zeit ist der Sohn meist auch bei seiner Mutter anwesend.
Die letzten Tage wurde der Vater vom Sohn immer zurückgebracht, ganz seltene Aktion.
Irgendwann habe ich dann die Frau des Bewohners getroffen, ich habe sie gefragt warum ihr Mann nun am Abend immer bei uns und nicht bei ihr ist.
Der Grund: Das Haus des Ehepaares soll verkauft werden und der Mann soll davon nichts mitbekommen.
Das möchte der Sohn lieber mit der Mutter alleine regeln.
Was ist da besser?
So wie oben beschrieben oder dem Vater/Ehemann offen alles erzählen?

Ich habe dies schon öfter erlebt.
Heimlich wird das Haus verkauft, der Mutter wird nichts davon erzählt.
Irgendwann kommen dann Besucher, alte Freunde, Bekannte oder sonstige Personen und erzählen von dem Verkauf des Hauses.
Das ist natürlich dann für die betroffenen Personen noch schlimmer. Sie erfahren es dann von anderen Personen, nicht von der eigenen Familie.

Alles nicht so einfach.

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11 Antworten zu “Hausverkauf

  1. Uff! Das ist eine verflucht schwierige Situation!…
    Ich weiss nicht, wie ich mich angesichts dessen verhalten würde… Dürftest du dich als Pfleger denn in solche Privatangelegenheiten einmischen, auch wenn sie himmelschreiend hinterfotzig und ungerecht sind?

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  2. is ne einfache situation sven sieht es richtig – es ist eine private angelegenheit.

    hausvekauf . . tja ich steck da auch mittendrin. als sohn und betreuer seit fast 11 ahren. in dieser konstellation gilt – für mich zumindest das ich
    a) meinen auftrag nachkomme (ich hab das ganze paket – wurde mit allen angelegneheiten betraut)) i.e. zum wohl meiner mutter handel.

    b) wie ist das juritische verhältnis zwischen dem ehepaar? und ganz wichtig – gibt es notarielle urkunden – vollmachten aus denen hervorgeht wer für wen zu sorgen hat bzw eingesetzt ist für einen anderen zu handeln und in welchem umfang im falle das einer der beiden oder alle zusammen nicht mehr in der lage sind ihre interessen selbst wahrzunehmen bzw nicht mehr in der lage sind ihre situatuation – alltag realistisch „einzuschätzen“.

    wenn die frau ne linke socke ist tja dann hat sie das selbst vor sich und ihrem mann zu vertreten. für mich war es von anfang an als ich mich bereit erklärte meine eltern zu betreuen klar das es IHR haus ist und dafür eingestzt wird das sie so lange in ihrem haus leben können wie es möglich ist. mein pa ist zu hause gestorben. meine mutter – sie betreue ich seit fast nunmehr 11 jahren – hat 9 oder noch mehr leben. 11 jagre versorgung zu hause, ihr den lebensstandard zu gewährleisten wie sie es gewohnt war/ist und wollte . . . nun irgendwann sind ersparnisse zu ende. jetzt seit ende juli lebt sie in einem heim. und da ich einen eigenteil zu zahlen habe wird das haus nun verkauft werden. ich habe freien handlungsspielraum – bei einem verkauf allerdings wird idr dem betreuer auch wenn er ein familienangehöriger 1. grades ist ein verfahrenspfleger zur seite gestellt. dies unter dem aspekt einen interessenkonfliktes gar nicht erst aufkommen zu lassen der ja durchausin einem elter/sohn-famileienangehöriger-betreuer verhältnis entstehen kann.

    das haus meiner eltern ist ihr haus – ihr lebenskonzept. es dient zu ihrer altersabsicherung, ist dazu da das sie ihren lebenstandard so langen halten können wie das geld vorhanden ist. wird meine mutter 100 jahre alt . . und alle kohle ist aufgebracht. dann ist das so. wird sie keine 100 jahre alt und es dann ist noch etwas geld übrig . ..dann ist das so. ich seh das ganz entspannt.

    zwischen mir und meinem vater war dies immer klar. allerdings was man nicht festlegen kann ist wie zb. meine mutter mit der tatsache das das haus verkauft wird umgeht. sie ist da ziemoich hard core. das haus und die scholle wird nicht verkauft. niemals nich. immer wenn ich sie besuche rede ich mit ihr darüber das „irgendwann einmal das haus verkauft werden muß“. so bereite ich sie auf den tag X vor. manchmal hört sie mir zu und versteht es, und dann wiedrum blockt sie ab – mauert sie. der tag wenn das haus dann verkauft ist, der tag an dem ich s ihr sagen werde . . ich wollt er wär schon vorbei. dieser tag liegt mir wenn ich heute daran denke wie blei im magen. aber das leben is nu mal kein wunschkonzert . .

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    • Wollte nur kurz anmerken, dass ich um diese schwierige Situation nicht beneide…
      Mein Vater lebt auch im Pflegeheim – ich habe selbst vor einer Vermietung seines Hauses gewisse Skrupel. Peu à peu sichte ich auch all die Dinge, die noch darin lagern und sortiere aus *seufz* und muss immer aufpassen, dass ich nicht von diesem mühseligen Durchforsten berichte, wenn ich bei ihm bin…!
      Dir jedenfass wünsche ich, dass Dir die Sache nicht allzu sehr „im Nacken sitzt. Und die richtigen Worte, wenn Du es dann hinter Dich bringen musst.

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  3. Das kommt auf den Zustand an in dem der Bewohner bereits ist. Als mein Onkel verstarb, wollten wir es der Oma erst nicht erzählen, da ihre Demenz bereits fortgeschritten war und sie zeitliche Zusammenhänge schon nicht mehr verstand. Dazu kam, dass der Sohn (mein Onkel) weit weg wohnte, selten bis nie anrief und nur einmal im Jahr zu Besuch kam.

    Wir haben es ihr dann erzählt, wodurch die Krankheit einen weiteren Schub bekam, warscheinlich durch die Trauer und das Unvermögen, verstehen zu können, was da passiert ist, und hat ihren Zustand um einiges Verschlimmert. davon hat sie sich nie wieder Erholt.

    Während meine Mutter und Tante glauben, richtig gehandelt zu haben, weil man soetwas nicht verschweigen darf, bin ich mir nicht sicher ob sie durch das Unwissen nicht doch wenigstens etwas länger glücklich geblieben wäre.

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  4. . . . . Wir haben es ihr dann erzählt . . du/charlotte ihr habt von tod eures onkels eurer oma ja deshalb erzählt weil ihr zu diesem zeitpunkt unter einbeziehung aller informationen die ihr zu diesem zeitpunkt hattet überzeugt gewesen wart das richtige zu tun. es war also stimmig für dich/ech . . oder? aus diesem grund habt ihr die entscheidung getroffen es ihr zu sagen.

    was kein mensch vorher wußte ist wie es eure oma aufgefaßt hat. hättet ihr dies gewußt, dann hättet ihr eine andere entscheidung getroffen . . . .

    . . . .(JETZT?) bin ich mir nicht sicher ob sie durch das Unwissen nicht doch wenigstens etwas länger glücklich geblieben wäre.

    tja das ist die crux mit dem . . „ach wenn ich doch vorher gewußt hätt was ich jetzt weiß“. entscheidungen und wie andere damit umgehen sind immer offen. natürlich wünscht man sich das sie „positiv“ aufgenommen werden . . . bzw das sie einem nicht schaden – das man nicht darunter leidet.

    ich kann da nur sagen . . . .geißel dich nicht für deine entscheidung . . .

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    • Mir war vorher schon klar, dass die Sache so enden würde. Meine Familie konnte sich mit der Krankheit sehr lange nicht abfinden und war immer der Meinung, die Dememz sei eine Sache, die irgendwann auch wieder weg gehen würde. Meine Oma war damals schon in einem Stadium, in der sie nich einmal mehr hätte sagen können, wie alt mein Onkel eigentlich war zum Zeitpunkt seines Todes. Abwechselnd war er dann 18, mal 4, dann wieder mitte 30.
      Ganz schlimm war es auch, wenn sie vergessen hat, dass er schon tot ist, und immer fragte, warum er nicht zu Besuch kommt, nur damit meine Mutter und Tante es ihr wieder sagen mussten. Was sie darauf hin jedes Mal wieder reingerissen hat, und für uns auch nicht einfach war.

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  5. Mahlzeit! Ich vermisse den Facebook Gefaellt mir Button? 🙂

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