Frau T.

Frau T leidet an Demenz, sitzt im Stuhl, sieht mich:

„Eeeey, komm mal her!“

„Frau T., alles in Ordnung?“

„Sag mal, wohnst Du neben dem Judengeschäft?“

„Ne, da wohne ich nicht.“

„Doch, tust Du.“

„Judengeschäft? Kann ich da nur was als Jude kaufen?“

„Ich helf dir gleich! Nur deutsche Kunden kommen da.“

„Ahhh so.“

„Und jetzt zieh Leine hier, die Pisse sitzt dir in der Hose und die Scheisse läuft dir das Bein runter.“

„Ja, habe da so meine Probleme mit.“

„Mensch, hau ab.“

Sie kann auch ganz nett sein.

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6 Antworten zu “Frau T.

  1. Immer wieder interessant, wie die alten Menschen, wenn sie dement werden, ihre Kriegserlebnisse aufarbeiten. Schön, dass du so auf sie eingehst, ich lese das immer wieder mit einem guten Gefühl.

    Meine Oma hat 1943 ein Mädchen geboren, das mit drei Monaten an der „blutigen Ruhr“ starb. Mein Opa hat das nur sehr am Rande mitbekommen, und er wollte eh nur Jungs, also war sie allein mit ihrer Trauer. Uns hat sie später oft von der Kleinen erzählt, dass sie „einen Mund wie eine Herzkirsche“ hatte. Als sie dann dement wurde, kurz vor ihrem Tod, verarbeitete sie das nochmal und fragte einige Tage lang die Schwestern im Pflegeheim, warum sie ihr das Kind weggenommen hätten. Es war herzzerreissend.

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  2. Solche Geschichten kenne ich auch nur zu gut. Bei uns haben wir einen dementen Bewohner, der während der Kriegszeit gedient hat. Nun ja, ich bin deutsche und arbeite in einem Schweizer Pflegeheim. Wenn er mich deutsch sprechen hörte anfangs, hat er immer den Hitlergruss ausgeführt, Heil Hitler gerufen und still gestanden… ehm so gut wie es eben noch ging mit den Nebenerkrankungen/Alterserscheinungen… Mittlerweile lebe ich länger in der Schweiz und kann ein wenig den Schweizer Dialekt. So spreche ich nach Möglichkeit Schweizerdeutsch mit ihm… auch um den Flüchen zu entgehen und ihn nicht mehr zu verwirren… Verfalle ich mal ins Hochdeutsche geht das Ganze von vorne los….
    Lustig ist auch, wenn er mich mal auf dem Flur im vorbeilaufen hört und mich dann fragt… Er: eh wohere chunsch de du???? Antwort: Ich komme aus Deutschland…. Er: ui, de bisch du e schwob! und dann wieder den Hitlergruss… Ja ja, wir deutschen, alles verlauste, engstirnige (O-Ton) Hurenböcke…
    Alle Schweizer mögen mir bitte meine Versuche Schweizerdeutsch zu schreiben nicht übel nehmen….
    Ich lebe und arbeite gerne in der Schweiz… und ja, auch diesen Bewohner schätze ich sehr!

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  3. Meine Schwiegermutter fängt grade erst an. Ehrlich gesagt, habe ich ein wenig angst, ob ich im Fall der Fälle auch so locker reagieren werde.
    Schön, wenn man bei dir „Tipps“ bekommt. 😉

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