Hygienebeauftragter

Ich war bei uns im Haus auch als Hygienebeauftragter tätig, u.a. werden neue Abläufe für diverse Arbeitsvorgänge im Haus erledigt, es kam z.B. ein Bewohner aus dem Krankenhaus mit einem ESBL Keim in einer Wunde, dafür hatte unser Haus keinen schriftlichen Ablauf (Schutzmaßnahmen,Desinfektion,Reinigung,Umgang mit der Wäsche usw).
Der Heimleiter und die Qualitätsbeauftragte kamen zu mir und sagten das der Ablauf noch geschrieben werden müsste. Am nächsten Tag sollte ich die Unterlagen, die das Gesundheitsamt bereit stellt, mitbringen und mich mit der Qualitätsbeauftragten treffen. Gesagt, getan, am folgenden Tag war ich bei der Dame:

„Du Sven, ich habe die Unterlagen über ESBL in der Wunde fertig ausgearbeitet.“

„Hä? Wir haben uns doch gestern erst getroffen um das zu besprechen.“

„Ich war fleißig!“

Unterlagen angeschaut, nachgefragt.

„Mit was für Unterlagen hast Du gearbeitet?“

„Die habe ich aus dem Internet, von einer Privatklinik in der Schweiz.“

„Aha, keine Ahnung wie die das da handhaben, ich habe hier die Unterlagen vom niedersächsischen Gesundheitsamt, damit müssen wir arbeiten.“

„Ja, ich habe das aber schon alles fertig gemacht!“

„Wir müssen das vergleichen, vielleicht fehlt ja nichts und wenn etwas fehlt fügen wir das in den neuen Ablauf ein.“

„Und wie lange soll das bitteschön dauern?“

„Das ist eine DIN A4 Seite, ich denke 15-30 Minuten.“

„Wenn Du so ein Genie bist!“

„Was soll das denn heißen? Gehts noch?“

„Ich habe das alles alleine fertig gemacht.“

„Das ist mir egal, die Unterlagen kommen von einer Privatklinik in der Schweiz, wenigstens kontrollieren und abgleichen müssen wir das. Sonst gebe ich das nicht frei.“

„Und Du läufst dann durch das ganze Haus und schmückst dich mit meiner Arbeit, sagst jedem Mitarbeiter das Du den Ablauf geschrieben hast, das sehe ich gar nicht ein,Sven!“

„Hackt es bei dir oder was? Das interessiert doch niemanden hier im Haus wer den Ablauf geschrieben hat!“

„Doch!“

„Quatsch, meinetwegen schaue ich das nach und Du kannst dann rumposaunen wie fleißig Du bist, pass aber auf das die Mitarbeiter dich hinter deinem Rücken nicht auslachen.“

„Ich habe die Vorarbeit geleistet!“

„Was würde das Haus nur ohne dich machen…“

„Hör auf Sven, auf so ein Niveau gehe ich nicht.“

„Das wäre auch zu viel verlangt.“

Ablauf leicht verändert und ihr in das Fach gelegt. Seitdem nichts mehr von der Sache gehört.

Dann hatte ich im August 2 Wochen Urlaub.

Kurz vor dem Urlaub hat die Qualitätsbeauftragte dann einen Termin für die monatliche Hygienegruppe gemacht, ich habe ihr gesagt das ich in der Zeit nicht da bin. Trotzdem wurde der Termin nicht geändert.

Einige Tage nach meinem Urlaub besuchte mich der Heimleiter auf Station:

„Sven, der Herr E. vom Gesundheitsamt war im Haus, Du hattest ja Urlaub.“

„Was? Da hat mir bis jetzt noch keiner was von gesagt das er hier war.“

„Ja, der war ganz schön aufgebracht!“

„Wieso?“

„Tzja, da war ja eine Hygienegruppe und von der Gruppe fehlte das letzte mitgeschriebene Protokoll von dir!“

„Von mir? Witzig, ich war gar nicht da, hatte Urlaub, das habe ich unserer Qualitätsbeauftragten auch gesagt. Wie soll ich da ein Protokoll schreiben? Das hätte irgendein anderer aus der Gruppe schreiben können oder müssen. Am besten die Qualitätsbeauftragte selbst da sie den Termin rausgegeben hat.“

„Naja, er war auf jeden Fall nicht gerade begeistert davon. Er hat uns doch Nahe gelegt eine andere Person für die Stelle des Hygienebeauftragten zu suchen.“

„Blödsinn, nur weil ein Protokoll fehlte? Das hat er nicht gesagt.“

„Doch, verdammt, das hat er. Ich habe mir jetzt auch mit der Qualitätsbeauftragten etwas überlegt:Schwester Ö. soll das nun weiter machen. Du kannst natürlich in der Hygienegruppe bleiben wenn Du möchtest.“

„Danke, nein, möchte ich nicht. Habe deswegen nur Streß mit dir gehabt.“

„OK, dann weiß ich was Sache ist.“

Hä? Der Mitarbeiter vom Gesundheitsamt würde so etwas nie sagen. Er würde auch nie einen Aufstand wegen eines fehlenden Protokoll machen. Dem Mann ist es eigentlich völlig egal wer Hygienebeauftragter ist. Hauptsache das Haus hat einen Hygienebeauftragten.

Nachmittags habe ich dem Gesundheitsamt eine Email geschickt und mich mal schlau gemacht, Antwort von Herrn E. sah so aus:

Hallo Herr Sven, ich war im August nicht bei Ihnen im Haus, habe nicht um Rückruf gebeten und hatte sonst keinen Kontakt.

Was erzählt der Chef da für einen Blödsinn?

E-Mail ausgedruckt und den Chef vor der Spätschicht angerufen:

„Du, der Herr E. war doch hier die letzte Zeit im Haus,nicht?“

„Ja, hatte ich dir doch gestern schon gesagt.“

„Komisch, ich habe ihm eine E-Mail geschickt, laut seiner Aussage war er nicht im Haus.“

„Das stimmt doch gar nicht, Sven.“

„Klar stimmt das, die Kopie von der E-Mail mit der Antwort seinerseits lege ich dir gleich in deine Ablage, kannste dir dann ja mal durchlesen.“

„Ja, ähm, tzja, der Herr E. war nicht hier, die Qualitätsbeauftragte und Schwester Ö. waren bei ihm, im Gesundheitsamt.“

„Aha, gestern hörte sich das so ganz anders an. Du hast überhaupt keinen Plan wer hier Freund und Feind ist, hättest Du mir das nicht ehrlich sagen könnnen? Nach so vielen Jahren die ich hier bin?“

„Die beiden waren bei Herrn E. im Gesundheitsamt!“

„Ja, das hatten wir gerade schon. Naja, Du musst selbst wissen wie Du mit deinen Mitarbeitern umgehst. Übel ist das auf jeden Fall.“

Einige Tage später habe ich Schwester Ö. getroffen, sie war vorher auch als Mitglied in der Hygienegruppe:

„Sag mal Ö., wart ihr beim Gesundheitsamt?“

„Ja, waren wir.“

„Und warum macht ihr das heimlich? Hättet ihr nicht eben eine Info durchgeben können?“

„Wieso? Da war doch nichts, war nur das vierteljährliche MRSA Treffen.“

„Sonst hat Herr E. nix gesagt? Von Protokollen oder so?“

„Ne, der doch nicht.“

„Hab ich mir gedacht. Naja, ich bin nur froh das ich mit der Hygienegruppe hier durch bin.“

„Äh Sven, ich will da aber keinen Streß haben, weißte.“

„Von meiner Seite aus nicht, den Streß macht der Heimleiter dir von ganz alleine.“

„Hör auf.“

„Warte ab.“

Warum kommt der Heimleiter auf so einen Blödsinn? Ganz einfach: Der Qualitätsbeauftragten hat es nicht gepasst das ich etwas gegen den ESBL-Entwurf gesagt habe, sie hatte wirklich Angst das ich im Haus erzähle, ich hätte diesen ESBL Ablauf geschrieben, das muss man sich mal vorstellen. Es hat noch niemals ein Mitarbeiter gefragt woher oder wer die Zettel ausarbeitet. Nun hat die Qualitätsbeauftragte so lange die Heimleitung genervt bis er mit dieser durchschaubaren Story auf Station kam. Man muss sich das wirklich mal in Ruhe überlegen.

Schwester Ö. ist da einfacher zu bearbeiten für die Qualitätsbeauftragte.

Eigentlich kann ich froh sein, den Mist bin ich los. Überstunden, keine zusätzliche Entlohnung für die Arbeit, Streß mit der Heimleitung.

Einige Zeit ist seitdem vergangen, die Stationsleitung und die Qualitätsbeauftragte gehen mir aus dem Weg wenn sie mich sehen. Ist vielleicht besser so.

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18 Antworten zu “Hygienebeauftragter

  1. Wie schräg ist das denn? Da werd ich ja schon beim lesen mehr oder weniger „agressiv“. Irgendwie kann ich solche Leute absolut nicht ausstehen, die dann selbst total beratungsresistent sind und nichtmal die kleinsten Hinweise annehmen wollen. Hauptsache sie stehen im guten Licht dar. Die meisten Mitarbeiter interessiert es doch nichtmal, ob da überhaupt irgendeine Verfahrensanweisung existiert .. hauptsache sie haben im Notfall wen, den sie fragen können. Und dann steht die Info aus’m Gesundheitsamt wahrscheinlich an höherer Stelle als ’ne Info aus der Schweiz. Und dann auch noch dieses Herumgelüge .. nette Menschen, wirklich.
    Naja, soll sie sich mit ihren Zetteln selbst in den Himmel loben. Genieß du deine vermehrte Freizeit und den verminderten Stress mit dem Heimleiter. Die werden ja vielleicht auch noch sehen, was sie von der Aktion hatten.

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  2. Warst du mittlerweile mal draußen und hast dich vergewissert? Steht da wirklich „Altenheim“ oder doch „Kindergarten“ …?

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  3. Doofe, neurotische Kuh, hast aber super reagiert! Lese Deinen Blog übrigens seit ein paar Monaten sehr gerne. Habe großen Respekt vor Deiner Arbeit (vor allem, wenn auch noch die Rahmenbedingungen nerven – wie eben gelesen.)

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  4. Hey, ich bin auch Hygienebeauftragter. Ich kann es voll nachvollziehen, wie du reagiert hast. So ein Trottel. Aber es ist doch super jemanden als Hygienebeauftragten zu haben der alles so macht und abnickt wie es die Leitung haben will. Ist zwar nicht immer richtig, aber wurscht. Irgendwann kommt es zu Problemen, da musst du dich nur zurücklehnen und abwarten.

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  5. Is doch wirklich überall das selbe mit den „Qualitätstussis“! Ich glaub langsam wirklich dass man als Vorraussetzung für diesen „Posten“ neurotisch und hinterhältig sein muss. Is das bei euch eigentlich auch so, dass die meint sie wär was besseres nur weil se in ihren Mörder-Highheels durchs Haus stöckelt? Glaub Du kannst einfach nur froh sein, aus der Nummer raus zu sein 🙂
    Übrigens: Respekt! Und weiter so!

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  6. Ja es gibt leider immer wieder Menschen, welche im Mittelpunkt stehen müssen. Egal wie es dazu kommt. Ohne solche Personen läuft dann gar nichts richtig. Sie meinen sie wären nicht ersetzbar. Aber das sind alle Menschen…. Sie wird dies auch noch merken. Früher oder Später.
    Viele Grüße

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  7. Wieso sind es eigentlich immer die Kolleginnen, die das Leben auf Arbeit so schwer machen. Ich habe leider 2 von der Sorte bei mir im Büro sitzen und was da manchmal abgeht, grenzt echt schon an Mobbing… Was solls, du bist kein Hygiene beauftragter und meine 2 Nervensägen wechseln die Abteilung 😉

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  8. Oar, kenn ich, hab ich bisher in jeder Firma erlebt, in der ich gearbeitet habe… hast mein Mitgefühl, Sven! Sowas ist soooo unnötig, es kostet Zeit und Nerven und ist komplett sinnlos. Nur weil eine einzige Person ein Selbstwertproblem hat und sich ständig profilieren muss.

    Hier, ich schick dir ein virtuelles Stück Torte und Kaffee dazu! *schick*

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  9. Moin,
    auf die Art macht man irgendwann einfach die Motivation seiner Mitarbeiter kaputt .. irgendwann lernen es auch Vorgesetzte..
    Gruß

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