Kleiderschrank

Der Sohn eines Bewohners kommt in das Schwesternzimmer:

„Der Kleiderschrank meines Vaters sieht unaufgeräumt aus, alles liegt durcheinander, ich habe keine Ahnung was sauber und was dreckig ist, so geht das hier nicht.“

„Sie haben mir erzählt das ihr an Alzheimer erkrankter Vater in seinem Zimmer tun und lassen soll was er will und wie er das will. Da er heute am Kleiderschrank zu arbeiten war hat er den nun so umgeräumt. Wir können den Schrank auch abschliessen, kein Problem.“

„Nein, ich möchte das er an seine Sachen rankommt wann er will.“

„Dann müssen Sie auch mit den Folgen leben, in diesem Fall das der Kleiderschrank aussieht wie Ihr Vater das will. Vielleicht findet er das so in Ordnung.“

„So dement ist mein Vater nun auch wieder nicht.“

„Da kann ich nichts zu sagen. Heute morgen war er auf dem Weg in die Stadt, meine Kollegin hat ihn nur durch Zufall gefunden. Er wusste nicht wo er ist und was er da macht, das hatte ich Ihnen heute auch auf den Anrufbeantworter gesprochen.“

„Hatte er eine Jacke an?“

„Nein, die hat er wohl im Kleiderschrank nicht gefunden.“

„Das hat er früher aber nicht gemacht.“

„Nein, wie auch? Seine Frau hat ja auf ihn aufgepasst. Er ist ja jetzt bei uns weil seine Frau das nicht mehr ausgehalten hat mit dem Mann und eine Schwächeanfall erlitten hat.“

„Völliger Blödsinn, meine Mutter hatte keine Schwächeanfall.“

„Oh ja, habe das hier im Bericht vorliegen, hat der Stationsarzt vom Krankenhaus bzw die Krankenschwester uns heute zugefaxt.“

„Naja, wie dem auch sei, der Kleiderschrank gefällt mir nicht.“

„Sagen Sie mir eine Lösung und wir werden uns darum kümmern.“

„Dann melde ich mich noch mal hier.“

Ich glaube mit dem Helden werden wir noch viel Spaß haben.

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6 Antworten zu “Kleiderschrank

  1. O, da kommt Freude auf. Als ob Ihr nichts Besseres zu tun hättet. Ich frage mich, warum er sich an diesem Pseudoproblem „aufhängen“ muß.

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    • @ Noga:
      Weil er zwischen „Ich weiss ja, dass Papa jetzt abbaut und nicht mehr wie früher ist“ und „Papa ist mein Papa, wenn im Zimmer was nicht stimmt, dann liegt das an der Schlamperei hier bei den Angestellten“ hin- und hergerissen ist? Es ist auch einfach nicht leicht. Erlebe grade im Bekanntenkreis eine Demenz im Frühstadium, d.h. 90% der Zeit ist alles wie früher, dann kommen so leichte Klopper (wie die Unterlagen für die Steuer an den mittlerweile seit 15 Jahren verstorbenen Ex-Steuerberater zu schicken). Diese werden von der Familie völlig wegrationalisiert. Wie lange das wohl noch klappt?
      Der Sohn aus dem Blogpost braucht Hilfe, sonst wird er für sich selbst und die Pflegeeinrichtung zum Nervfaktor. Aber Hilfe muss man wollen. Also schonmal mit Langzeit-Nerv rechnen, lieber Sven.

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      • Man findet so ein Verhalten leider schon normal.Ich glaube man härtet ab, meine Kollegin hat 37,5 Stunden im MONAT, ich 159 Stunden. Sie findet es total schlimm mit dem Angehörigen.Sie ist einmal die Woche zum arbeiten da.Ich sehe und höre so etwas quasi jeden Tag, wollte es erst gar nicht bloggen da es leider Alltag ist und eigentlich nichts erwähnendes von meiner Seite.Aber solche Menschen nerven einen schon lange nicht mehr bzw regen einen nur schwer auf.Man kann es auch verstehen das man als Kind nicht weiß wie man damit umzugehen hat bei den eigenen Eltern.Und da ist das Pflegepersonal meistens der erste Dampfablasser.So etwas darf man nicht persönlich nehmen,dann würde man kaputt gehen.

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  2. solche leute haben immer was wegen dem sie sich beschweren muessen. nicht ernst nehmen.

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  3. hehe, habe mir grade nochmal meinen Post durchgelesen (und Deine Antwort, Sven) und festgestellt, dass ich da ja sehr verständnisvoll klang. Wenn mich selbst Kunden für Dinge verantwortlich machen, die an höherer Gewalt oder der grenzenlosen Blödheit der Kunden selbst liegen, klinge ich da ganz anders, ähem. Andere Branche, aber Idioten sind glockenkurvig gestreut. Denke Du hast da recht, je öfter man ihnen begegnet, desto eher erträgt man es mit Fassung oder kann allen Frust mit kurzer interner Schimpfwortkaskade unter einer Minute abbauen.

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  4. Irre….wie ist der denn drauf!

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