Gentleman

Herr G. ist neu auf der Station, ein Chameur und Gentleman, dabei leider völlig dement und ein großer Hang draußen spazieren zu gehen ist vorhanden, er läuft oft weg.
Nun ging ich in den Gemeinschaftsraum und die Damen dort lächelten mich an:

„Sven, der neue nette Herr, ach Gott, was ist das für ein netter Mann.“

„Ja schon, kann man so sagen.“

„Und er hat uns alle mit Geschenken überhäuft, so liebenswert, ach Sven, schööön.“

„Wie Geschenke?“

„Hier ich habe Pralinen bekommen, Frau O. hat die Zeitung erhalten und die anderen haben Bücher gekriegt.Aber Frau Sch.,ja Frau Sch., die hat einen ganz tollen Pullover erhalten.“

„Wie bitte? Zeigt mal die Sachen.“

„Hier!“

Die Bewohner zeigen mir die Sachen.

„Schön, schön, zeigt das aber nicht der Frau P.“

„Meinste die wird neidisch?“

„Nee, die wird sauer sein, denn das sind alles ihre Sachen. Der feine Herr war dort wohl im Zimmer und hat da etwas Inventur gemacht.“

„Oh Gott. Meinste das?“

„Ja, den Pullover kenne ich, das Buch über Frankfurt hat nur Frau P. und die Pralinen mit Orangengeschmack habe ich dort heute morgen noch auf dem Tisch liegen sehen.“

„Na dann wollen wir die Sachen nicht.“

Später am Abend musste ich die Tür vom Sicherungskasten noch mit Panzertape dicht machen, Herr G. hatte die Sicherungen gemopst.
Nicht das ich die noch aus den Handtaschen der Bewohner suchen muss.

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2 Antworten zu “Gentleman

  1. Das sind die kreativen Seiten der dementiellen Veränderung – you made my day 😉

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  2. Wenn sie denn mal kreativ sind ; ) ist es schon noch zu ertragen ,aber sonst !!?

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