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Satzsuppe

Gestern Nachmittag hatte ich bei zwei dementen Bewohnern Kaffee und Kuchen verteilt.

Frau T. nimmt die Mahlzeiten meistens selbstständig ein, Frau B. benötigt Hilfe.

Beide sitzen in einem Raum mit Blick in den Garten und auf die gegenüberliegenden Häuser.

Dies waren in der Zeit einige der Sätze der beiden Bewohner:

“Du bist da um sie zu beeilen.”

“Ich wollte wohl zu meiner Mutter, die ist aber wohl tot, da will ich nicht neben liegen,ich entschuldige mich dafür.”

“Wenn die Hände hoch sind dann sitzt die Hose am Bein.”

“Mehr als hier oben geht wohl auch nicht,oder?”

“Ein Polar ist ein Polar von einem Polar, ist aber alles viel kleiner geworden.”

“Sie hat alles eingepackt und das verglänzt jetzt.”

“Das Vieh hat Durst, er hat doppelt Kaffee getrunken.”

“Ich habe an den Füßen das Auto dran.”

“Das ist doch auch so niemals.”

“Mit einem Waschspiel geht es nie.”

“Ich bin da drüben gewesen, ganz tief, dann bin ich wieder zurück gegangen.”

“Meine Engel werden gleich nass.”

“So? So? So? So!”

“Der benimmt sich wie ein zugelassener Mensch.”

“Ich will die Blumen nie wieder sehen.”

“Und hier oben bin ich.”

“Wenn er da rein geht dann zittert er wieder, ich bin ja schon groß.”

“Kohle war früher auch nicht lecker, heute meist schon.”

“Gelb ist heiß…. aber nicht die Menschen.”

“Ja, sicher. Da war nix dran. Die Mutter schon ewig.”

Vieles davon passt nicht wirklich auf den ersten Blick, kennt man die Bewohner besser dann passt das so schon.

Viele Besucher/Angehörige kommen mit so etwas schlecht klar, merkt man immer wieder.

Ist aber leider nicht zu ändern.

Wegweiser

“So etwas hat noch keiner zu mir gesagt! Das ist die Höhe!”

Was war passiert? Unten in der Lobby hielten sich viele Bewohner auf, ich musste zufällig da unten lang und sprach noch mit einer Bewohnerin von einer anderen Station. Nun kam eine Besucherin in das Haus, ca 60 Jahre jung, gestylt wie ein Teenager, vom Make up bis zu den Klamotten. Es sah einfach nur bescheuert aus. Aber jeder wie er will.
Die Besucherin fragt eine Bewohnerin nach einer Zimmernummer, sie wollte wohl gerne ihre liebe Mutter besuchen. Was sagt die Bewohnerin?

“Die lebt noch? So alt wie Sie schon sind würde ich lieber mal auf dem Friedhof nachschauen!”

Bäm. Ein Schlag mit dem Baseballschläger mitten ins Gesicht hätte der Besucherin weniger weh getan. Klar, nett war das nicht, trotzdem musste ich aufpassen nicht laut zu lachen. Es kam ziemlich trocken daher. Die Bewohnerin war am stricken, sagte den Satz, schaute die Besucherin dabei an und strickte weiter als wenn nichts war.

Ich habe die Dame dann zu ihrer Mutter gebracht.

Fazit: Frage nie die strickende Oma nach einer Auskunft. Zumindest hier bei uns nicht.

Waschlappen

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Probe vom Vertreter erhalten,  Einwegwaschlappen.
Wehe der Schrott wird eingeführt.
Benutzt jemand die Teile in der Pflege?

Off topic

Heute eine Meldung erhalten: Vor 4 Jahren bin ich zu WordPress gewechselt, die alte Seite ist aber noch online:
altenheim.blogg.de

Nie Probleme gehabt, auch per Handy klappt alles prima hier.
Dann bleibe ich wohl nochmal 4 Jahre, hoffe die Leser auch!

Stellungswechsel

Ein Schüler und eine Bewohnerin am Rollator kamen mir heute auf dem Flur entgegen, die Bewohnerin spricht mich an:

“Ach, ich muss fit bleiben, ich gehe bis zum Frühstück hier den Flur rauf und runter!” sagt sie.

“Oooooh ja! Rauf und runter! Wunderbar, ach wie schön. Genau das mag ich auch gerne. Aber sowas von gerne. Besser als Arbeit! Da hätte ich jetzt auch Lust zu!” antworte ich.

“Ja, ja, kann ich mir bei dir vorstellen, dir gefällt das gut so wie ich dich kenne!” sagt sie.

Der Schüler hört unser Gespräch, er redet mit der Bewohnerin:

“Ich glaube der Sven meint mit rauf und runter etwas ganz anderes als hier auf dem Flur spazieren zu gehen.” sagt er zu der Bewohnerin.

“Natürlich, der redet von Frauen wo er rauf und runter kann, junger Mann. Ich bin zwar alt aber meine fünf Kinder hat mir nicht der Klapperstorch gebracht. Sie sehen mir auch so aus als wenn Sie das gerne tun mögen!” grinst sie ihn an.

Der Schüler war so schockiert von der Bewohnerin, er ist sprachlos in ein Bewohnerzimmer gestürzt. Die Sache war ihm eindeutig zu heftig, da kam er mal gar nicht mit klar.

Ich musste die ganze Frühschicht grinsen wenn ich die Bewohnerin oder den Schüler sah.

 

Geh mal Haare machen!

Frau H.hatte heute eine ehemalige Arbeitskollegin zu Besuch. So alle sechs Wochen schaut die Besucherin mal vorbei.

Frau H. ist ziemlich fit, benötigt als einzige Bewohnerin keine Hilfe, sie muss nur geweckt werden. Sie kann und soll auch alleine entscheiden was sie machen will, anziehen möchte usw.

Nun war ich im Schwesternzimmer und die Besucherin von Frau H. sprach mich an:

“Hier! Die Frau H. soll zum Frisör, der ist doch am Freitag hier im Haus.” sagt sie.

Wie gesagt, Frau H. kennt die Frisörzeiten und kann das alleine entscheiden.

“Ah, dann will Frau H. die Haare geschnitten haben.” sage ich zu der Frau.

“Keine Ahnung. Nur sieht das hinten unmöglich aus, die Haare müssen mal wieder ab.” erzählt sie.

OK, Frau H. weiß noch gar nichts von ihrem Frisörbesuch. Dann ist mir das eigentlich völlig egal was die Besucherin will oder ob ihr die Haarpracht von Frau H. nicht passt. Aber man ist ja gut erzogen und noch freundlich:

“Ich kümmere mich darum!” sage ich zu der Dame.

Sie schaut mich mit einem sehr skeptischen Gesichtsausdruck an:

“Ihre Kolleginnen schreiben sich das immer auf!” gibt sie mir als Rat mit.

“Joah, ich bin noch jung, so etwas kann ich mir gerade so merken.” sage ich.

“Ich würde das aufschreiben! So wie ihre netten Kolleginnen. Die Damen sind nämlich nicht so ein Kotzbrocken wie Sie es sind,junger Mann!”

“Das wird schon, wie gesagt!” sage ich.

“Ich bin morgen auch noch in der Stadt, mal sehen ob sie dann beim Frisör war.” sagt sie.

Alles klar, jetzt reicht es mir, die Alte war mir schon immer unsympathisch, dann will ich ihr das auch sagen:

“Kommen Sie ruhig, sie wird nicht zum Frisör gehen.” sage ich.

“Aber Sie soll morgen zum Frisör, ich habe ihnen das doch gerade eindeutig gesagt!” meckert sie.

“Ja, ich wollte auch nur nett sein. Wenn Frau H. nicht zum Frisör will dann jage ich sie da morgen auch nicht hin.” erkläre ich ihr.

“Die Haare sehen aber schlimm aus, so kann die doch nicht unter Leute gehen!” meckert sie weiter.

“Natürlich. Und wenn die Haare bis zum Boden hängen, völlig egal. Besucher bestimmen über den Frisurstyle der Bewohner, möchten Sie das später so haben falls Sie mal im Heim leben? Ich komme Sie dann besuchen und gehe danach zu den Schwestern und erzähle denen das Sie unbedingt zum Frisör sollten. Wie würden Sie das finden?” fauche ich.

“Sie haben ja mal Vergleiche!” staunt sie.

“Es wäre doch genau die Situation wie jetzt.” sage ich.

“DIe Damen hier haben das immer aufgeschrieben!” bellt sie weiter.

“Gut, ich schreibe das dann auch auf. Sind Sie dann zufrieden?” frage ich.

“Ja, aber wo landet dann das Papier?” fragt sie.

“Im Mülleimer. Können Sie sich doch auch denken.” antworte ich.

Sie hat es nicht kapiert. Mündigen Bewohnern etwas vorschreiben, geht es noch? Ich wundere mich, ins Gesicht hat sie mir nicht gespuckt. Kommt vielleicht morgen Nachmittag.

 

 

Blase

Gestern fand wieder ein Wortgottesdienst in der hauseigenen Kapelle statt. Dort nehmen dann auch viele ältere Menschen, die nicht im Haus wohnen, teil.

So auch diese ältere Dame mit ihrer Tochter, ich hörte nur das Ende von dem Gespräch:

“Kind, ich muss aber wirklich vorher nochmal auf die Toilette!” sagte die Dame.

“Mama, wir schauen. Nach der Messe kannst Du da hingehen.” sagte die Tochter.

“Ich muss aber wirklich vorher! Sonst mache ich während der Messe.” bettelte die Dame.

“Dann sind aber alle Plätze besetzt. Wir gehen jetzt in die Kapelle und danach schön auf die Toilette.” sagte die Tochter.

Die Mutter hat sich dann ihrem Schicksal ergeben.

Was für eine Scheisse. Wieso hilft die Tochter der Mutter nicht schnell? Es war 15:40h, der Gottesdienst fängt um 16h an.

Nur damit an in der ersten Reihe sitzt? In der Woche sind die Plätze niemals alle belegt. Mutter sitzt da jetzt mit einer vollen Blase und betet für ein schnelles Ende der Messe damit sie auf die Schüssel kann.

Die Dame wird wohl sonst auch von der Tochter zu Hause versorgt, da klappt es doch dann auch mit dem Toilettenbesuch. Hoffe ich doch mal.