Ehepaaar

Ehepaar Sch. wohnte zusammen bei uns auf der Station, Frau Sch. geistig fit, körperlich mobil, Herr Sch. dement, teilweise nachts aktiv.
Auf Wunsch der Frau lebten die beiden in getrennten Zimmern.
Nun ist Frau Sch. verstorben.

1 Woche später, ich habe Spätdienst, kommen die Kinder des Ehepaares vorbei und räumen einige Gegenstände der verstorbenen Frau in das Zimmer des Mannes.
Eine Wanduhr im Wert von 1000€, hochwertige Dekomaterialien, Möbel, teures Geschirr usw.
Problem dabei: Herr Sch. ist ab und zu nachts aktiv, räumt dann das ganze Zimmer um, dabei gehen auch mal Gegenstände kaputt.
Deswegen waren in dem Zimmer kaum Gegenstände bwz solche, mit denen man sich nicht verletzen kann oder die nicht schnell kaputt gehen.

Nach der `Tine Wittler`Umräumaktion der Kinder steht das Zimmer voll mit Deko und anderem Kram.

Ich habe der Tochter dies nochmal erklärt, Vater läuft teilweise nachts,stellt Gegenstände um usw.

“Unser Papa soll Erinnerungen an Mama haben.”

Aha.

Keine 2 Tage später wurde meiner Überzeugung nach in dem Zimmer eine Bombe gezündet, die kompletten Sachen lagen auf dem Boden, teilweise defekt, meist sofort für den Restmüll noch zu gebrauchen.

Tochter angerufen, sie ist total verzweifelt da die große Wanduhr kaputt ist. 1000€ hat die Uhr gekostet, auch die anderen Gegenstände hatten einen hohen Wert laut Tochter.

Auf die Bemerkung, sie kenne die Krankheit des Vaters und wurde des öfteren daruf hingewiesen das der Vater solche Aktionen durchführt reagierte sie nicht wirklich.

4 Wochen sind seitdem vergangen, nun hängt die Uhr wieder bei Papa an der Wand, Reparatur kostete 200€.

Mal sehen wie lange die halten soll.

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7 Antworten zu “Ehepaaar

  1. Manche Angehörige schaffen es nicht zu realisieren, in welchem Ausmaß die Krankheit verändert. Da kommt man mit Argumenten nicht weiter. Das scheint eine Schutzfunktion zu sein.

  2. Auch eine Möglichkeit sich die Entsorgung des Hausrats zu ersparen….. :O

  3. Hm, lernresistent. Und ich pflichte Noga bei. Es wäre besser gewesen die Tochter hätte die Erinnerungsstücke zu sich selbst nach Hause gebracht. Die Idee, daß der Vater Erinnerungen haben soll ist ja lieb gemeint, aber eben nicht umsetzbar.

    Heute habe ich auch eine kleine Geschichte beizusteuern, denn ich sorgte vorhin für den Brüller des Tages: In unserem Pflegeheim gibt es 3 Stationen, ich arbeite immer auf der zweiten Station. Weil aber auf Station 1 heute die zweite Kraft fehlte und gerade dort einige sehr pflegeaufwendige Bewohner sind, half ich heute dort aus. Da gibt es seit kurzem ein niedliches altes Ehepaar, das Ehepaar M., Zuerst brachte ich Frau M. ins Bett, dann eine andere Bewohnerin und dann Herrn M. Herr M. sträubte sich zwar etwas und Frau M. guckte etwas erschrocken, aber beide sagten nichts, als sie in ihrem gemeinsamen Zimmer in den Betten lagen. Ich ging zu meiner Kollgein und sagte, Du ich hab jetzt das Ehepaar M. ins Bett gebracht. Sie bekommt einen Riesen-Lachanfall und meinte trocken, Du der Herr M. sitzt doch da im Aufenthaltsraum!
    Um Himmels willen, wen habe ich denn der Frau M. ins Bett gelegt? Jetzt weiß ich, warum der sich gesträubt hat!!!
    Ich hab dann schnellstmöglich den falschen Herrn M. wieder abgeholt und ins richtige Zimmer gebracht und den echten Herrn M. zu seiner Frau verfrachtet.
    Übrigens, die beiden Männer sehen sich wirklich sehr ähnlich!

  4. Absolut…. aber kann passieren!

  5. mhh . . . . ach mit dem wissen um demenz is das so ne sache. meine ma ist in einem anfangsstadium. es ist wichtig für sie noch aktiv zu sein. im rollstuhl sitzend den teller vom esstisch durch die durchreiche in die küche zu stellen, die blumen von der linken seite der fenstbank auf die rechte seite der fensterbank zu stellen und zurück . . . . dabei kommt es natürlich manchmal zu bruch. mit dem rollstuhl um ne kurve fahren dabei n blumentopf zu balancieren . . . . ich könnts auch nicht . . .

    und dann nächtens n eichenesszimmertisch den 3 leute nur schwer bewegen können, quer durchs wohnzimmer zu schieben und am anderen morgen zu fragen: war war n das . . . .

    es ist ne gratwanderung. natürlich gibt es grenzen – wenn die demenz weiter fortschreitet und sie sich selbst gefährdet . . . .

    ich kann damit leben das auch mal n delfter teller zu bruch geht . . . . sie hat ihn ja auch gekauft . . . damals mit vater in delft . . . .;-)

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