Heizungsmonteur

Herr B. kommt mir auf dem Flur entgegen, umklammert panisch meinen Arm:

“Ich brauche die Heizungspläne!!”

“Heizungspläne….” sage ich.

“Mensch, bei Regen werden die Heizungen größer!” sagt er, lässt meinen Arm los und ist weg.

Jetzt haben wir hier ganz große Heizungen stehen, fühle mich wie ein Zwerg. Unheimlich…

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Lästerschwester

Unsere Frau F. ist geistig fit, macht immer einen netten und kumpelhaften Eindruck. Kaum entfernt man sich von ihr und eine Kollegin kommt vorbei dann wird über die Schwester abgelästert, die vorher im Zimmer war, dies kann die Bewohnerin meisterhaft. Niemand wird verschont, auch nicht die Stationsleitung. Laut der Bewohnerin ist unsere Stationsleitung leicht faul, redet viel und bewegt sich wenig usw. Irgendwann macht das natürlich unter den Kolleginnen die Runde und auch die Stationsleitung bekommt das natürlich mit. Mich persönlich würde das überhaupt nicht jucken, unsere Leitung kocht bei so etwas aber immer.
Nun hat die Bewohnerin, natürlich sehr freundlich zu der Stationsleitung, ihr das “Du” angeboten.
Nein, sie will die Bewohnerin nicht per “Du” ansprechen, sie bleibt beim “Sie”.
Am nächsten Tag sehe ich die Leitung in der Nähe der Bewohnerin, keiner der beiden Helden sagt etwas.

“Redet ihr nicht mehr miteinander?” frage ich unsere Leitung.

“Ach, sie meint das ist hier alles so unpersönlich, sie fühle sich nicht wohl. Nur weil ich beim ´Sie´ bleiben will.”

“Ah,Ok.”

Danach gab es dann bei der Übergabe hitzige Debatten über das “Du-Sie” Thema. Einige können die Leitung verstehen, andere nicht.

Ich kann das kein Stück nachvollziehen. Die Dame mag für ihr Leben gerne lästern, bietet aber das “Du” an. Da muss man doch jetzt kein Faß von aufmachen. Ich kann auch unsere Lästertante Frau F. verstehen: Wenn dort vier Bewohner sitzen, drei werden per “Du” angesprochen und Frau F. mit “Sie” dann fühle ich mich nicht wirklich angekommen im Heim.

Bin gespannt wie es mit den beiden Tusneldas weiter geht.

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Verkehr

“Na,haste die Klamotten wieder an?” fragt mich Frau M. als ich das Zimmer betrete.

“Soll ich hier etwa nackt arbeiten?” frage ich.

“Nun ja….” sagt sie und grinst.

“Was lächelst Du dabei so merkwürdig?” frage ich.

“Du kannst ruhig wieder ins Bett bei mir springen so wie letzte Nacht.War doch schön!” sagt sie.

Irgendwie habe ich da was verpasst…..

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Finchen

20.30h, die Stationstür geht auf, eine bei uns doch seltene Uhrzeit für Besucher. Trotzdem, eine Besucherin hat sich dann doch verlaufen:

“Ist hier geschlossen?” fragt sie mich.

“Nein, Sie haben doch die Tür aufgemacht!” sage ich.

“Ja, ich suche das Finchen!” meint sie.

“Das Finchen? Wer ist das denn?”

“Na die Frau Packholz!” antwortet sie.

“Packholz, Packholz, da haben wir zwei mit dem Namen im Hause, bei uns wohnt die Marianne Packholz.”

“Genau! Die suche ich auch, ich wollte sie besuchen, könnnen Sie mir den Weg zeigen?” fragt sie.

“Klar.”

Wieso soll die Marianne Packholz Finchen heißen? Ich frage nach:

“Und Sie sind sicher dass das Finchen hier wohnt?” frage ich.

“Ja!” sagt sie.

“Wieso wird sie eigentlich Finchen genannt?” frage ich nach.

“Na, ihr Vorname ist Finchen.” erklärt sie mir.

“Ne, bei unserer Dame ist der Vorname doch Marianne.” antworte ich.

“Finchen oder Marianne. Das ist doch egal.” sagt sie.

“Ja, ja, ich wundere mich nur.” sage ich.

Wir sind am Zimmer angekommen, die Besucherin macht die Tür auf und sieht Marianne Packholz dort sitzen, sie schaut Fernsehen.

“Moin Finchen!” sage ich zu der Bewohnerin.

“Du kriegst gleich Finchen, hör auf! raunt sie mich an.

“Oh, hier bin ich aber falsch.” sagt die Besucherin.

“Ja, meine ich doch, ihr Finchen heißt doch bestimmt Josefa, Josefine oder so.” sage ich.

“Ne, wurde mit Finchen getauft!” sagt die Dame.

“Dann probieren Sie es doch mal ein Stockwerk tiefer, da wohnt noch eine Frau Packholz, den Vornamen kenne ich aber nicht.” rate ich ihr.

Wird wohl die richtige Bewohnerin gewesen sein, die Besucherin habe ich danach nicht wieder gesehen.

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Talk vor 6

Frau M. klingelt, es ist 5:50h, gerade erst betrete ich die Station. Mal sehen was die Dame will:

“Ach Gott. Du bist es! Hallelujah!” sagt sie als ich das Zimmer betrete.

“Was willst Du schon so früh von mir?”

“Du sollst erstmal nett fragen wie es mir geht!” sagt sie.

“Wie geht es Ihnen, gnädigste Frau M.?”

“Gut! Danke der Nachfrage!” antwortet sie.

“Schade! Höre ich gar nicht gerne!”

“Mir gehts schlecht! Ganz schlecht!” sagt sie darauf.

“Ooooh, das freut mich von ganzen Herzen, endlich mal gute Nachrichten!”

“Allmächtiger, was bist Du ein Lümmel!” meint sie.

“Ja, was wolltest Du jetzt?”

“Mir ist folgendes aufgefallen: zum aufstehen ist es noch zu früh. Ich schlafe weiter!” quakt sie.

“Hrmpf. Bis später!”

“Gott bewahre!” betet sie.

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Stille

10 Bewohner sitzen im Speisesaal zusammen. So viele Personen sitzen selten auf einem Fleck. Über 10 Minuten lang sagt niemand der Bewohner auch nur ein Wort, es sind geistig rege Bewohner und demente Bewohner. Meine Kolleginnen betreten den Speisesaal, reden kurz und sind noch schneller wieder weg. Ich schaue mir das vom Schwesternzimmer aus an.
Wie gesagt, 10 Minuten, eine relativ lange Zeit wenn man sich das mal vorstellt.
Zum Schweigen braucht man nicht zusammen sitzen. Also rein da und die Bande ein wenig aufmischen:

Frau W. stützt den Kopf mit der Hand am Tisch ab, hat einen völlig gelangweilten Ausdruck auf dem Gesicht. Gut, fangen wir da an. Ich gehe in den Speisesaal und setze mich auf einen freien Platz und imitiere die Frau.
Sofort sieht sie das:

“Mensch, äffst Du mich da nach?” fragt sie.

“Nein, mein Kopf ist soooooo schwer.” sage ich.

“Ach, lass doch die Frau in Ruhe!” sagt Frau O.

“Nix, sie hat mich doch nachgemacht!” sage ich und zeige mit dem Finger auf Frau W.

“Ach, Du bist doch gerade erst gekommen!” sagt Frau K.

“Ne, ne, so nicht. Ich sitze hier schon eine Stunde!” sage ich.

“Spinner! Gerade biste reingekommen!” erklärt mir Frau R.

“Quatsch! Erstens ist das hier mein Raum und 2. bin ich hier nur von großen Räubern umgeben! Nächstes Mal benehmt ihr euch bitte!” antworte ich.

“Dein Raum.Pah.Von wegen.Wir waren eher hier!” sagt Frau M. (Frau M. ist geistig fit)

“Da müsst ihr alle gar nicht hinhören! Frau M. hat einen Alzheimerschub, bei der schneit es im Kopf!” antworte ich.

“Ich gib dir gleich Schub!” meckert sie.

“Im übrigen bin ich auch völlig ohne Sünde im Gegensatz zu euch ALLEN! Nehmt euch ein Beispiel an mir!” informiere ich die Runde.

“Ja,ja!” “Ach!” “Mensch, hau ab!” “Voller Sünde biste!” usw hörte ich noch kurz.

Bevor ich den Raum verlassen hatte habe ich noch einigen Bewohnern Platzverweise erteilt, diese wurden aber nicht angenommen.

Ich gehe zurück in das Schwesternzimmer, winke nochmal zum Abschied in die Runde und posaune raus was ich für ein toller Pfleger bin und wie sich alle über meine Anwesenheit glücklich schätzen können.

Jetzt reden alle über den ´komischen Kerl´, aber auch wieder über andere Dinge. Sauer oder nachtragend ist wie immer niemand.

Besser so auf die nicht so feine Art als wenn sich jeder anschweigt. Meine Kolleginnen sehen das teilweise anders, würden so etwas auch nie bringen. Mir gehts dabei gut und den Bewohnern auch. Was will man mehr.

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Haustiere

Einer unserer Bewohner, Herr D., verbringt seine Freizeit gerne auf dem Zimmer. Dort schaut er TV, rasiert sich oft oder kämmt sich die letzten Haare. Zu den Mahlzeiten ist er aber dann im großen Speisesaal um sich nach den Mahlzeiten über die Bewohner aufzuregen.
Er hat nicht wirklich Kontakt zu den Bewohnern, lebt lieber für sich alleine.
Am Abend hatte ich ihm das Spiel Juve-Bayern angemacht. Ich schaute noch kurz die Vorberichte mit ihm. Er war aber nicht wirklich bei der Sache, schaute immer zu der Deckenleuchte.
Man muss dazu folgendes erklären: Drei Deckenleuchten sind im Zimmer und ein festinstalliertes Radio befindet an der Wand. Bei einer Deckenleuchte ist wohl heute die Birne kaputt gegangen.

“Ja, er sitzt da noch drin!” sagt er mir.

“Was? Wovon redest Du?” frage ich.

“Na, die Lampe da oben! Da ist so ein Tier drin. Das wandert dann heute Nacht wieder an der Decke und über mein Bett!” sagt er.

Ah. Kann ja sein, vielleicht ein Insekt oder etwas in der Art. Mal nachfragen:

“Was ist das für ein Tier? Oder wie groß ist es?”

“So groß wie die Fernbedienung!” sagt er.

Der Mann hat einen Plasma, die Fernbedienung ist so groß wie ein Meerschweinchen.

“Quatsch, wie soll das Tier an der Decke laufen ohne auf den Boden zu fallen?” frage ich leicht verwirrt.

“Du, der eine verrückte Mann aus dem Speisesaal hinten war hier und hat das Tier im Mund gehabt. Er hat dann richtig ein Stück rausgebissen. Ein elendes Schwein ist das! Dann ist das Tier wieder da oben hingerannt. Ein richtiges Stück hat er abgebissen. Durch die Wunde kann das Tier an der Decke kleben.” erklärt er mir.

“Hä? Was soll das für ein merkwürdiges Tier sein? Frettchen? Maus? Ratte? Schlange?”

“Ja, ja, so eine Mischung, genau! In der Nacht kommt das Tier raus.” sagt er.

“Schön und gut. Aber was frißt das Tier überhaupt?”

“Hier liegt ja genug auf dem Boden rum, da geht er dann bei. Oder er frißt die kleinen Vögel. Dann liegt alles voll mit Federn.” antwortet er.

“Vögel? Wo hat er die denn her? Der bleibt doch immer hier im Zimmer,oder?”

“Sicher. Die holt er sich aus dem Vogelkasten!” sagt er und zeigt auf das beschriebene Radio.

“Das ist doch kein Vogelkasten da oben, das ist ein Radio.”

“Radio? Ach sooo. Und ich wundere mich schon die ganze Zeit was es zu bedeuten hat. Radio… ein Radio… sehr schlecht, das ist schlecht.Ganz schlecht.” sagt er.

“Warum das?”

“Wo sollen die Vögel jetzt übernachten?” fragt er.

“Die Vögel können hier ja fliegen, Du hast das Tier in der Lampe ja eh lieber als die Vögel. Soll sich das Tier halt einige Vögel reißen damit es was zu fressen hat.” meine ich.

Er freut sich über meinen Vorschlag. Die Idee mit dem Besen, mit dem ich gegen die Deckenleuchte hämmerte, war nicht so prall, da wurde er sauer. Ich soll das kranke Tier doch in Ruhe lassen.

Mal sehen wie es dem Tier heute Nachmittag geht.

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