Dienstplan

Heute habe ich nur mit männlichen Mitarbeitern Dienst. Wer in der Pflege arbeitet der weiß wie selten so etwas vorkommt. Zum Glück haben wir keine Bewohnerin die ausdrücklich von Frauen versorgt werden möchte.
Ach, was wird das schön: Kein Zickenkrieg, kein Streß, keine hysterischen Anfälle, keine unnötigen Diskussionen, keine nervigen Reflektionen über die gestrige Private Practice Folge, keine… ach,ich höre lieber auf, muss ja um 13 Uhr zum Dienst. Sonst schreibe ich hier noch bis Mitternacht.
HEHEHE

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Gesundheitsamt

Ein Mitarbeiter vom Gesundheitsamt war heute im Haus, er wollte von unserer Station Wasserproben haben.
Der Hausmeister und der Mitarbeiter vom Amt hielten mich auf dem Flur auf:

“Hallo,Max Mustermann vom Gesundheitsamt!”

“Moin,Pfleger Sven!”

“Ja, ich nehme Wasserproben hier.”

“Alles klar.”

“Haben Sie hier Bewohner wo die Mundpflege durchgeführt wird?”

“Ja, haben wir.”

“Und in welchem Zimmer findet das statt?”

“In jedem Zimmer.” antworte ich.

“Hmm? In jedem Zimmer wird die Mundpflege durchgeführt?” fragt er mich ungläubig.

“Ja sicher. Mund-,Prothesen- und Zahnpflege. Kommt drauf an was sich im Mund befindet.”

“Mmmh, ja.”

“Habe ich die Frage falsch verstanden? Sie schauen so skeptisch.”

“Ja.. ne.. nein.”

“Aha. Ich verstehe den Sinn mit den Wasserproben und der Frage nicht, aber egal, muss ich ja nicht verstehen.”

“Ja, ich weiß es auch nicht. Ich bin Lehrling und soll hier Proben nehmen,JA!?!”

“Klar, dafür brauchen Sie mich ja nicht, der Hausmeister hat da mehr Ahnung von der Anlage, oder?”

“Ist ja schon gut!” antwortet er gereizt.

Mein Gott, habe ich was falsches gesagt? Vielleicht sollte er mal bei sich eine Probe nehmen.

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Auf 180

Einige Bewohner gehen bei bestimmten Dingen sofort auf die Palme, sei es wegen den kleinsten Dingen.
Herr D. zum Beispiel:
Er macht gerne einen Mittagsschlaf im Bett, muss dann von uns geweckt werden.
Ich betrete sein Zimmer am Nachmittag, er liegt im Bett, ich spreche ihn an:

“Mensch nochmal Hubert, ich glaub es ja wohl nicht, hier einfach so im Bett liegen, das gibt es doch wohl nicht. Ich arbeite mir hier die Füße wund und Du liegst hier faul rum. So etwas habe ich ja lange nicht mehr erlebt. Das ist ja die Höhe!”

“JA WAS? VERFLUCHT,ICH KANN DOCH HIER MAL SCHLAFEN,DA IST DOCH NICHTS BEI! LASS MICH EINFACH IN RUHE!JEDEN TAG ERZÄHLST DU MIR DAS,VERFLUCHT!”

“Und jeden Tag regste dich darüber auf.”

“Ja sicher, Benehmen ist Glückssache bei dir!”

“Zumindest bist Du jetzt wach, dann kannste ja auch aufstehen. Liegst ja schon lange genug so faul im Bett.”

“MENSCH,FAUL IM BETT! HAU AB!”

“Kommste dann gleich nach?”

“Ja, aber erst wenn DU verschwunden bist.”

Keine Ahnung warum er sich so aufregt. Böse ist er mir deshalb nie, danach ist immer wieder alles gut.

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Stern TV

So lebt und arbeitet es sich in den Altenpflegeeinrichtungen?
Ich habe noch zu vielen ehemaligen Schülern Kontakt, diese arbeiten teilweise auch in anderen Bundesländern mit kirchlichen Trägern oder auch bei privaten Trägern, aber solche Zustände kennt keiner.
Lesen hier Menschen mit, die in der Pflege arbeiten und die Zustände aus dem Artikel bestätigen können?

Gerade der letzte Satz in dem Artikel ist mehr als ätzend, ich glaube ihm nicht:

http://www.stern.de/tv/sterntv/qualitaet-der-pflege-im-test-wie-gut-sind-unsere-altenheime-1820841.html

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Box

Für Verbandsmaterial haben wir neue Boxen vom Hausmeister erhalten, die alten Boxen waren wohl nicht mehr modern. Es sind Kunstoffboxen, ähnlich ´Tupperware´, mit Deckel. Dies ist allen Mitarbeitern schon länger bekannt.

Nun ruft die Qualitätsbeauftragte an:

“Habt ihr schon Boxen erhalten?”

“Ja.” antworte ich.

“Eigentlich sollten die aber erst morgen ausgeliefert werden.”

“Keine Ahnung, auf jeden Fall haben wir welche bekommen.”

“Komisch, das war doch abgesprochen, warum habt ihr die schon?” fragt sie.

“Mensch, ich habe keine Ahnung, ist doch völlig egal. Was willst Du denn jetzt von mir?”

“Ja, die Boxen. Weißt Du auch wofür die Boxen sind?”

“Nein?!” (Natürlich weiß ich es, die Frau will aber verarscht werden.)

“Ah ja, das sind die Boxen für Verbandsmaterial.Die alten Boxen werden weggeworfen, die neuen Boxen kommen zum Einsatz. Verstehste?”

“Wie jetzt? Muss ich das Verbandsmaterial aus den alten Boxen in die neuen Boxen füllen?”

“Jaha, Sven, müssen wir.”

“Aha,ok,ok. Aber was mache ich mit den alten Boxen?”

“Wie?”

“Die stehen dann hier ja auf der Station.”

“Die kann man wegwerfen.”

“Wegwerfen….” grüble ich.

“Einfach in den gelben Sack werfen.”

“Ach soooooo,klar, ja klar, natürlich, machen wir.”

“Haste das verstanden?” fragt sie.

“Hui, na ich hoffe. Ich probiere es.”

“Ja, schön. Falls Du noch fragen hast kannst Du mich immer erreichen.”

Ne, ich habe das ganz alleine ohne Hilfe geschafft, bin ein großer Junge. Danach habe ich auch noch eine Banane gegessen. Sogar ohne Schale.

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So oder so….

Ein Bewohner fragt mich:

“Wer erlebt wohl den schöneren Tod? Derjenige , der immer gearbeitet hat, kaum Freizeit hatte, sich nichts gegönnt hat und wenig im Urlaub war oder der Mensch, der alles im Leben gesehen hat, viel im Urlaub war und nichts ausgelassen hat?”

“Keine Ahnung. Was denkst Du?”

“Der Mensch, der immer gearbeitet hat. Die Sorte Mensch hat weniger Erinnerungen an schöne Urlaube oder exotische Orte. Dieser Mensch stirbt bestimmt friedlicher da er weniger Sachen besitzt oder gesehen hat, die ihm lieb sind.”

In seiner Überlegung fehlt mir
irgendwie Familie, Freunde etc.
Aber er ist mit seinen Gedankengängen zufrieden. Das zählt am Ende.
Nichts anderes.

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Madame

Eine neue Bewohnerin ist angemeldet, durch Vorabinformationen erhalten wir folgendes Material:

Die Bewohnerin kann: nicht alleine Nahrung zu sich nehmen, Getränke müssen angereicht werden, die Dame benötigt Hilfe bei Toilettengängen, be- und entkleiden muss vom Pflegepersonal ausgeführt werden, Grundpflege muss vom Personal übernommen werden.

Ok, also kommt dort eine relativ pflegebedürftige Person. Die Infos kommen vom Sohn, die Dame lebte bis vor ihrem Sturz bei dem Sohn und der Schwiegertochter.

Zwei Stunden später kommt dann die Bewohnerin mit dem Sohn.Mal abwarten.

Sohn und Mutter gehen in das Zimmer, ich erkläre alles, sie wollen ein wenig alleine sein. Später geht der Sohn nach Hause, Mutter meldet sich per Klingel wenn sie etwas benötigt sagt er.

Fünf Minuten später klingelt sie, ich betrete das Zimmer:

“Ach Herr Sven, ich brauche Hilfe.”

“Was kann ich für Sie tun?”

“Ich habe Durst.”

“Sie haben da doch ein Glas und eine Flasche Wasser auf dem Tisch stehen.”

“Und?”

“Nehmen Sie sich doch etwas zu trinken.”

“Da kann ich nicht alleine.”

“Wie kann es? Schmerzen in den Armen?”

“Ich kann es nicht.”

“Warum denn nicht?”

“Zu Hause hat mein Sohn mir das trinken angereicht.”

“Aber ich bin nicht ihr Sohn.”

“Ich soll das alleine machen?”

“Sicher.”

“Unverschämtheit.” Sie steht (alleine) auf, dreht die Flasche auf, füllt das Glas und trinkt alleine.

“Klappt doch gut.” sage ich.

“Und? SIE müssen mir helfen.”

“Ne, die Tätigkeiten, die Sie alleine erledigen könnnen, müssten Sie auch selbstständig erledigen. Ich bin ja kein Hausknecht.”

Natürlich hat sie dies dem Sohn erzählt, er beschwerte sich beim Heimleiter und dieser dämpfte die Vorstellungen des Sohnes.

Der Sohn war danach wieder bei mir:

“Wollen Sie später im Alter im Altenheim wohnen?” fragt er.

“Nach Möglichkeit nicht, wer würde das nicht bis zum Ende hinauszögern? Ich würde mir aber so viel wie es geht alleine machen wenn ich im Heim wohnen würde.”

“Sehen Sie, meine Mutter kann nichts alleine.”

“Doch, kann sie. Glauben Sie mir.”

“Sie kann ja nicht mal alleine aufstehen,dafür braucht sie Unterstützung.”

“Sieht nicht so aus, schauen Sie mal den Flur runter.”

Dort geht die Mutter ohne Rollator oder Stock, quitschfidel, selbstständig und ohne schwankenden Gang.
Mit schnellen Schritten geht er auf die Mutter zu,greift ihr unter die Arme zur Unterstützung und begleitet sie auf ihr Zimmer.

Natürlich macht die Bewohnerin bei dem Theaterstück mit, sie greift seinen Arm und klammerst sich an ihn. Schlechter gespielt als in den Daily Soaps.

Nun ist eine Woche vergangen.

Und die Dame ist die einzige Bewohnerin, die alles komplett alleine macht, ohne Unterstützung und Hilfe.

Dem Sohn passt es trotzdem noch nicht, ich glaube er will die Mutter pflegebedürftig sehen.

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