Traumschiff

“Steward,haben Sie kurz Zeit für mich?” fragt mich die neue Bewohnerin.

Ok, die Ansprache ist neu. Mal was anderes.

Zahnarzt

Frau O., 89 Jahre, hat nur noch vier Zähne im Mund, ein Zahn schmerzt jetzt.

“Du hast gleich einen Termin beim Zahnarzt, ziehst Du dir schon mal die Jacke an?” frage ich.

“Was soll ich da?”

“Der will nur mal schauen da dir der eine Zahn schmerzt.” sage ich.

“Genau. Und dann kriege ich so eine blöde Prothese die mir dann in den Eintopf fällt. Schlimmer noch: Ich sehe dann aus wie eine alte Oma!” knurrt sie.

Richtig. Von der hübschen Vierzähnebraut zur ranzigen Oma. Kann schnell gehen.

April

“Können Sie mein Taschentuch aufheben?”, “Du hast da ja fiese blaue Farbe an deiner Hose, wie kommt das denn?”, “Da hinten, gaaaaanz hinten, liegt eine Frau auf dem Boden, ich glaube sie ist gefallen.”
April,April.
Nervig, dreimal reingefallen.

Käfer,Falten,Gesundheitsamt

Fast vier Wochen kein Eintrag hier, schnell vergeht die Zeit. Natürlich sind in dieser Zeit auch im Heim viele interessante Sachen passiert:
Der MDK war im Haus, das Gesundheitsamt, Frau G.,99 Jahre jung, bemerkte im Handspiegel Falten im Gesicht und war tieftraurig über diese Tatsache. Frau B. holte alle Rosinen aus dem Rosinenbrot, “Brot mit Käfern esse ich nicht!” war ihre Meinung dazu. Der Typ vom Gesundheitsamt hat die Käfer nicht entdeckt.
Unser Schüler hat mal eben die Praktikantin geschwängert.
Das Buchprojekt wurde vom Verlag redigiert, der Klappentext ist fertig.
Es folgen noch ausführlichere Beiträge!

Kissen

Eine Schülerin hatte heute den Praktikanten der Hauptschule dabei, er sollte ein Kissen beziehen. Sie gab ihm schon mal den Kissenbezug:

“Hier, kannst Du das Kissen beziehen?” fragt sie.

Er schaut den Bezug vom Kissen an, ist verwirrt:

“Die haben hier aber ziemlich dünne Kissen!” sagt er vorwurfsvoll.

“Maaan, das ist doch der Kissenbezug!” sagt meine Kollegin.

Wieder was fürs Leben gelernt.

BGH: Kinder müssen für Heimkosten zahlen

Ganz interessant für Eltern und Kinder:

http://www.t-online.de/wirtschaft/id_68005388/bundesgerichtshof-legt-fest-kinder-muessen-heimkosten-ihrer-eltern-zahlen.html

Pony

Herr D. spricht mich an:

“Du, kümmerst Du dich heute um die Pferde?”

Schwierig. Bin mit “Ja” und “Nein” bei der Frage schon bei ihm auf die Schnauze gefallen. Heute macht er einen “Ja” Eindruck. Mal probieren.

“Sicher, die sind alle versorgt. Mach dir da keine Gedanken. Alles in Ordnung.” sage ich.

Er klopft mir auf die Schultern, ist dabei richtig erleichtert:

“Mensch, toll. Dann muss ich das nicht machen. Ehrlich, Du rettest mir den Tag.” sagt er.

“Kein Problem, habe ich gerne gemacht.” antworte ich.

Er schaut mich an, überlegt:

“Was ist mit den Ponys?” fragt er mich.

Die Ponys. Die hatte ich vergessen. Was ist mit den Ponys? Gute Frage:

“Die sind bei den Pferden, haben schon Futter gehabt.” sage ich.

“Gut. Wolltest Du die zwei kleinen Ponys noch schlachten?” fragt er.

Momentan habe ich für Ponyschlachtungen keine Termine frei. Bei dem Bewohner weiß man aber nie ob er die Tiere lebendig oder geschlachtet haben möchte. Er hatte etwas leicht hoffnungsvolles in seiner Stimme bei der Frage. Kam mir so vor. Also heute keine Ponyschlachtung. Oder doch?

“Du, die haben gerade gefressen. Heute wird das wohl nichts mehr.” sage ich.

“Gut, gut, gut. Kannste auch nicht machen, die feinen Ponys. So schöne Tiere. Wundervoll, oder?” fragt er.

“Richtig wundervoll, prima Tiere.” sage ich.

Genau. Letzte Woche sollte ich den Ponys noch die Rübe abschneiden da die nutzlos sind und nur fressen. Natürlich habe ich die letzte Woche auch alle geschlachtet. Oder ihm das so erzählt.
Da war er glücklicher als heute.
Mal sehen wann es wieder Ponygulasch gibt…